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Medial, sozial, individuell – Ursachen von Mediensucht

Lesezeit 5 Minuten

Wie entsteht Mediensucht? Was führt dazu, dass ein Mensch suchtartiges oder suchtähnliches Verlangen nach einem digitalen Medium entwickelt? Eines ist sicher: Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Das Suchtdreieck bei Mediensucht von Bert te Wildt gibt einen Überblick.

Mediensucht scheint von Internetfähigkeit abzuhängen

Dr. Bert te Wildt leitet als Oberarzt die Ambulanz der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie des LWL-Universitätsklinikum der Ruhr-Universität zu Bochum. Dort behandelt er Internet- und Computerspielabhängige.

„Die Abhängigkeit von elektronischen Geräten, die nicht onlinefähig sind, spielt klinisch kaum eine Rolle. Erst seit Computer, Spielekonsolen und Mobiltelefone einen Internetzugang haben, verzeichnen wir weltweit eine [steigende Anzahl] an Abhängigen“, schreibt er in seinem Buch „Digital Junkies“.

Diagnose, Varianten, Ursachen, Behandlung und Prävention von Internetsucht – damit beschäftigt sich Dr. Bert te Wildt in seinem 380-seitigem Werk aus dem Jahr 2015.

Das klassische Suchtdreieck

Im Kapitel zu den Ursachen von Mediensucht zeichnet er ein klassisches Element aus der Suchtforschung nach: Das Suchtdreieck. Es beschreibt die drei zentralen Einflussfaktoren auf die Suchtentwicklung:

  1. Der Mensch als solches
  2. Seine Umwelt / seine Mitmenschen
  3. Das Suchtmittel / die Droge

Das Suchtdreieck bei Mediensucht

An der Stelle, an der bei substanzgebundenen Süchten beispielsweise Alkohol, Drogen oder Medikamente stehen, finden sich bei Dr. Bert te Wildts Darstellung die Medien wieder. Oder besser: Bestimmte Faktoren digitaler Medien.

Denn natürlich bergen nicht alle Medien ein Suchtrisiko. Und selbst an den digitalen Angeboten, die ein solches Risiko der Suchtentwicklung mit sich bringen, ist nicht alles böse oder suchtfördernd. Was ist also das Besondere an digitalen Medien, wenn es um die Entstehung einer Suchterkrankung geht?

Das Suchtdreieck bei Mediensucht, in den Ecken stehen erstens mediale Faktoern, zweitens soziale Faktoren und drittens individuelle Faktoren.

Bild: Inhalt von Bert te Wildt, Digital Junkies, Seite 90. Dreieck von Kmicican/Pixabay. Kollage erstellt von webcare+

Mediensucht – soziale, individuelle und mediale Faktoren

Die drei Kategorien – Mensch, Umwelt und Suchtmittel – enthalten jede für sich eine Vielzahl von risikosteigernden Faktoren. Bert te Wilds Kapitel zu den möglichen Ursachen einer Internetsucht umfasst beinahe 60 Seiten. Sie können hier daher nur verkürzt wiedergegeben werden.

Soziale Faktoren im Suchtdreieck:

  • Familiäre Probleme
  • Schwierigkeiten in Freundschaften und Partnerschaft
  • Probleme in Ausbildung, Schule und Beruf
  • Ausgrenzungserfahrungen
  • Unkritischer gesellschaftlicher Umgang mit Medien

Individuelle Faktoren im Suchtdreieck:

  • Impulsivität
  • Prokrastination
  • Unaufmerksamkeit
  • Depression
  • Angst
  • Autismus
  • Selbstwertprobleme
  • Einsamkeit

Mediale Faktoren im Suchtdreieck bei Mediensucht:

  • Sozialer Zusammenhalt (zum Beispiel in sozialen Netzwerken oder in einer Gilde)
  • Spielerische Elemente (vor allem in Games, aber auch in sozialen Medien oder bei illegalem Online-Glücksspiel)
  • Sexuelle Anregung (vor allem bei Cybersex)
  • Belohnungsreize (zum Beispiel in Games, siehe Blogbeitrag zu „Shooter-Games“, aber auch die Likes in Social Media)
  • Unendlichkeitserleben (beispielsweise die riesigen Spielwelten oder endlose Timelines, siehe Blogbeitrag zu „Infinite Scrolling“)
  • Spiel mit Identität und Beziehungsformen in Avataren und Accounts (vor allem in Games, siehe Blogbeitrag „Eintauchen in fremde Welten“, aber beispielsweise auch Social Media Konten mit falschen Namen)

Diese lange Liste lässt darauf schließen, dass die Entstehung einer Sucht nicht immer einfach zu erklären ist. Oft kommen viele Faktoren zusammen. Bei jedem Menschen, der unter einer Suchterkrankung leidet, ist dies ein individuelles Zusammenspiel aus den drei oben genannten Kategorien.

Übrigens: Wenn auf Dich einer oder mehrere dieser Risikofaktoren zutreffen, heißt das nicht, dass Du automatisch eine Sucht entwickeln wirst. Dein Risiko ist aber höher als bei Menschen, die keinen dieser Faktoren aufweisen.

Gesicht von vorne, dahinter schememhaft Profilansichten nach links und rechts. Das ganze Bild ist mit Mikrotechnik überzogen. Unser Gehirn und der Smartphone-Reflex Hanteln, Gymnastikball und Laufschuhe Profi-Tipps: Körperlicher Ausgleich für eSportler*innen
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