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Challenge: Person springt im Abendlicht über eine tiefe Schlucht

Challenges – Digitale Mutproben von lustig bis gefährlich

Lesezeit 7 Minuten

Was früher die Kettenbriefe per SMS oder E-Mail waren, sind heute die Challenges in den sozialen Medien. Jemand macht etwas und fordert andere Personen namentlich dazu auf, es nachzumachen. Dokumentiert wird das Ganze meist per Video. So können sich die digitalen Mutproben rasant im Internet verbreiten.

Challenges können lustig, albern, peinlich, nervig, riskant oder sogar gefährlich sein. Während erstere sich oft schon beim ersten Schauen des Videos erkennen lassen, kann das bei gefährlichen Challenges schwerer fallen.

Challenges können gefährlich sein, manche sogar tödlich

In den letzten Jahren gab es zahlreiche Berichte über Mutproben auf YouTube und Co, die teilweise schlimme Folgen hatten. Sie forderten Menschen beispielsweise dazu auf…

  • Ungenießbares zu essen
  • Absichtlich ohnmächtig zu werden
  • Zu viel Alkohol auf einmal zu trinken
  • Ungesunde Diäten zu führen
  • Andere Menschen böse zu erschrecken
  • Sich selbst oder andere zu verletzen

Die Folgen können dabei über kleine Verletzungen und Schrecken hinausgehen. Bei unseren Recherchen sind wir auch auf Berichte von schlimmen Wunden, bleibenden Schäden, Krankenhauseinlieferungen, Koma und sogar Todesfällen gestoßen.

Besonders gefährliche Challenges können im rettungswagen enden.

Warnungen können auch Werbung sein

Wir nennen hier absichtlich keine Namen, obwohl so gut wie jede Challenge ihr eigenes Schlagwort oder ihren eigenen Hashtag hat. Auch verlinken wir keine der digitalen Mutproben oder Berichte über ihre Folgen. Schon eine Warnung kann Werbung sein. Vielleicht denkst Du Dir „Oh, das klingt aber krass. Das muss ich mir mal angucken!“. Das möchten wir nicht befeuern. Gefährliche Challenges sollten unserer Meinung nach nicht noch mehr Klicks und Aufmerksamkeit bekommen.

Noch ein Hinweis: Manche der Challenges werden mit einem guten Zweck in Verbindung gebracht: Mach das oder spende 100 Euro an eine gemeinnützige Organisation! Das kann leider nicht immer als Garant dafür genommen werden, dass die Mutprobe ungefährlich ist. Denn was für die meisten Menschen unbedenklich sein mag, kann zum Beispiel für Leute mit bestimmten Erkrankungen (Allergien, Herz-Kreislauf-Störungen, usw.) böse Konsequenzen haben.

Mutproben können zum Erwachsenwerden dazugehören

Es sei nicht ungewöhnlich, dass Jugendliche gerne experimentieren oder sich Herausforderungen stellen, schreibt klicksafe.de. „Mutproben gehören zum entwicklungsbedingten Risikoverhalten vieler Jugendlicher – das war schon zu Offline-Zeiten so. Es geht den jugendlichen Teilnehmer*innen vor allem darum, sich selbst durch die Überwindung subjektiv erlebter unangenehmer Gefühle etwas zu beweisen, sich von den Eltern abzugrenzen und die Anerkennung innerhalb der Peer-Group zu bekommen.“

Neu sei allerdings, „dass in Sozialen Netzwerken solche Wettbewerbe öffentlich sind und eine große Reichweite erzielen“, so klicksafe.de weiter. Die Jugendhilfe-Plattform Juuuport erklärt: „Viele tun für ein paar Likes immer gefährlichere Dinge. Grenzen werden immer häufiger überschritten. Die Akteur*innen wollen auffallen – manchmal um jeden Preis. Sie wollen Anerkennung und im Internet ist es schwierig, diese zu bekommen.“

Für Jugendliche gehören Mutproben zum Erwachsenwerden dazu. Hier klettern zwei Teenager auf einen Schiffscontainer.

Viele Menschen finden Challenges eher nervig

Übrigens: Das Meinungsforschungsinstituts YouGov fand heraus, dass über 60 Prozent der Befragten Challenges nervig finden. Gut 70 Prozent antworteten, dass Challenges sie gar nicht interessieren. Bei diesen Zahlen stellt sich die Frage, ob die digitalen Mutproben überhaupt dazu dienlich sind, einem zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen. Vielleicht wären andere Aktionen (zum Beispiel tatsächlich etwas Gutes für den gemeinnützigen Zweck zu tun) effektiver?

Internet-Challenges bergen zudem das Risiko von Cybermobbing, wie Juuuport warnt. Die Jugendhilfe-Plattform rät daher, kritisch zu hinterfragen, welche Challenges Du Dir ansehen und mit Deinen Klicks unterstützen willst. Vom Nachahmen wird gänzlich abgeraten.

Was kannst Du tun, wenn Du zu einer zweifelhaften Challenge aufgefordert wurdest?

Wenn Du online zu einer Challenge herausgefordert wurdest, verspürst Du vielleicht den Druck, ihr nachzukommen. Bitte hinterfrage die Art der Mutprobe aber zunächst kritisch: Könntest Du Dir oder einer anderen Person dadurch Schaden zufügen?

Es kann auch hilfreich sein, erstmal zu recherchieren. Gibt es schon (Zeitungs-) Bericht über Menschen, die sich durch diese Challenge verletzt haben? Falls es noch keine Berichte gibt, bedeutet das leider nicht zwangsläufig, dass es auch keine Risiken gäbe. Vielleicht wurde nur einfach noch nichts davon in die Öffentlichkeit getragen. Beispielsweise weil die betroffenen Personen sich schämen, die Challenge nicht geschafft zu haben. Oder die Folgen, die sie davon getragen haben, sind ihnen zu peinlich.

Um abzuwägen, wie riskant eine Challenge ist, kannst Du Dich zusätzlich an Vertrauenspersonen (zum Beispiel Eltern, Lehrkräfte oder Ärzt*innen) oder an Beratungsstellen (zum Beispiel Nummer gegen Kummer oder Juuuport) wenden.

Klicksafe.de empfiehlt außerdem, gefährliche Wettstreite nicht weiter zu verbreiten, sondern zu melden.

  • Nummer gegen Kummer e.V. bietet anonyme und kostenfreie telefonische Beratung für Kinder, Jugendliche und Eltern an: Kinder- und Jugendtelefon Telefonnummer 116 111, Montag bis Samstag von 14 bis 20 Uhr; Elterntelefon Telefonnummer 0800 – 111 0 550, Montag bis Frreitag von 9 bis 11 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 17 bis 19 Uhr
  • JUUUPORT ist eine bundesweite Beratungsplattform, auf der sich Jugendliche gegenseitig helfen, wenn sie Probleme im oder mit dem Internet haben. www.juuuport.de
  • Riskante Internet-Challenges können bei www.internet-beschwerdestelle.de oder www.jugendschutz.net gemeldet werden.
  • Gefährliche Mutproben sollten nicht geteilt bzw. weiterverbreitet werden. Auch Warnungen sollten nicht gepostet oder geliked werden.
Bei zweifelhaften Challenges kann man sich telefonisch an eine Beratungsstelle wenden. Auf dem Foto telefonieren zwei junge Frauen miteinander.

Es gibt auch ungefährliche und sogar empfehlenswerte Challenges

Nicht alle Challenges sind schlecht oder gefährlich. Es gibt auch unbedenkliche Herausforderungen, zum Beispiel, bei lustigen Videos oder beim gegenseitigen Anstarren nicht zu lachen.

Eine Mutprobe möchten wir euch sogar ausdrücklich empfehlen: Die Real Life Challenge von Handysektor. Oder was wäre in unserer digitalen Welt von heute herausfordernder als das Handy mal für eine längere Zeit beiseite zu legen?

Quellen

Gesicht einer Frau, darüber verschwommen eine Uhr und die Worte Stress und Zeitmanagement. Zerstückelter Alltag: Wie das Smartphone Deine Konzentration beeinflusst Controller für eine Spielekonsole Gaming: Spielend Lernen für Jung und Alt
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