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In einem verrosteten Schloss hängt eine gelbe Blüte

Foto: klimkin/pixabay

Sicher im Netz: Worauf sollten Selbsthilfe-Aktive achten?

11 Februar 2020

Lesezeit 7 Minuten

Du hast einen Selbsthilfe-Blog? Eure Selbsthilfegruppe hat eine eigene Internetseite oder ihr plant gerade, eine einzurichten? Ihr habt außerdem eine Whatsapp-Gruppe, um euch intern abzustimmen? Bei Instagram postest Du Fotos eurer gemeinsamen Aktionen? Die Fotos von eurem Tag der offenen Tür landen – wie alle Deine Fotos – in Deinem digitalen Fotoalbum auf Facebook? Vorsicht! Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Bildrechte, Daten-Sicherheit und Datenschutz spielen eine wichtige Rolle – vor allem für Akteur*innen, die mit gesundheitlichen Infos zu tun haben.

Der Gesamtverband für Suchthilfe e.V. hat ein Projekt ins Leben gerufen, dass Selbsthilfe-Engagierte dabei unterstützen soll, sich im Internet zurechtzufinden: „Selbsthilfe sicher im Netz“. Wir möchten Dir hier einen kurzen Einblick in einige Themen geben, die das Projekt gut verständlich aufgearbeitet hat. Eine vollständige Inhaltszusammenfassung können wir dir hier allerdings nicht geben, denn das Projekt hat sich wirklich sehr viel Mühe gemacht und ganz viele verschiedene Aspekte von Sicherheit im Internet beleuchtet.

Das kleine 1×1 für mehr Sicherheit im Internet

Auch wenn es nicht die bequemste Art ist, durchs Internet zu surfen, können die folgenden 6 Tipps erheblich zu Deiner Sicherheit beitragen.

  • Netiquette: Verhalte Dich im Internet immer höflich anderen gegenüber, auch wenn ihr euch im analogen Leben nicht kennt. Niemand wird gerne Opfer von Hate Speech (= Hasskommentare) oder Cyber-Mobbing. Außerdem kann sich der Spieß schnell herum drehen. Regeln für einen freundlichen Umgang miteinander im Internet nennt man übrigens Netiquette.
  • Persönliche Daten: Gib Deine persönlichen Daten (Anschrift, Kontaktdaten, Kontonummer, usw.) nur dann heraus, wenn es wirklich nötig ist und Du der Internetseite (oder der Kontaktperson) vertraust. So schützt Du Dich vor Betrugsversuchen von Kriminellen.
  • AGB: Lies Dir die Allgemeinen Geschäftsbedingungen durch, bevor Du Dich irgendwo registrierst oder etwas bestellst, um sicher zu gehen, dass Du nicht die Katze im Sack kaufst.
  • Passwort: Wähle sichere Passwörter. Sie sollten aus Groß- und Kleinbuchstaben, Zahlen und Sonderzeichen bestehen. Für jedes Konto solltest Du ein anderes Passwort benutzen. Idealerweise änderst Du Deine Passwörter regelmäßig.
  • Ausloggen: Logge Dich nach jedem Internetbesuch wieder aus allen Seiten aus uns lass Deine Zugangsdaten nicht automatisch gespeichert, sonst kann es passieren, dass andere ungewollt Zugriff auf Deine Konten erhalten.
  • Vorsicht beim Klicken: Klicke nicht auf Werbung oder Links und öffne keine E-Mail-Anhänge oder andere Dateien, denen Du nicht 100%-ig vertrauen kannst. Hinter ihnen können Computerviren oder unangebrachte Inhalte lauern.
  • Privates: Trenne private und offizielle Informationen. Deine persönlichen Daten oder Interessen haben auf eurer offiziellen Internetseite nichts verloren. Das könnte einen unprofessionellen Eindruck machen.

Wenn Du mehr zum Thema Medienkompetenz erfahren möchtest, dann schau doch mal in diesen Blogbeitrag von uns.

Buchstaben aus Metall ergeben das englische Wort "private" und hängen an einem Durchgang

Foto: notnixon/pixabay

Auch im Internet gelten Gesetze

Ob eine Seite in den sozialen Medien oder eine eigene Internetseite: Wenn ihr im Internet unterwegs seid, müsst ihr bestimmte Gesetze im Blick haben. Die wichtigsten 6 siehst Du hier in der Übersicht:

  • Urheberrecht: Texte und Bilder sind urheberrechtlich geschützt. Du darfst Werke von anderen nicht einfach als Deine eigenen ausgeben.
  • Nutzungsrecht: Wenn Du Texte oder Bilder nutzen möchtest, die von einer anderen Person erstellt wurden, darfst Du das nur mit ihrer Erlaubnis tun. Die Nutzungserlaubnis ist in der Regel an einen bestimmten Zweck gebunden, z.B. ein Foto auf Deine Internetseite zu stellen. Willst Du das gleiche Foto noch einmal für euren Flyer nutzen, musst Du Dir erneut das Nutzungsrecht für diesen anderen Zweck einholen.
  • Schutz der Persönlichkeit und Recht am eigenen Bild: Wenn Du Fotos machen möchtest, auf denen andere Menschen als Du selbst zu sehen sind, musst Du diese Menschen vorher ebenfalls um Erlaubnis bitten. Und wenn du diese Fotos online posten möchtest, brauchst Du hierfür auch ihr Einverständnis.
  • Widerrufsrecht: Wenn Du von allen beteiligten Personen die Erlaubnis bekommen hast (siehe oben), ist das gut. Sie können ihr Einverständnis allerdings jederzeit widerrufen. Dann musst Du die Sachen unverzüglich löschen.
  • Impressumspflicht: Jede Internetpräsenz braucht ein Impressum, in dem steht, wem die Seite gehört und wer für den Inhalt verantwortlich ist. Das Impressum muss ohne viel Suchen und mit wenigen Klicks erreichbar sein, also idealerweise ganz oben oder ganz unten auf eurer Website. In sozialen Netzwerken sollte ein Link zu eurer Internetseite (oder direkt zum Impressum) in der Profilbeschreibung stehen.
  • Datenschutzerklärung: Auch sie muss auf jeder Internetseite vorhanden sein. Darin erklärst Du den Nutzer*innen, welche Daten beim Besuch Deiner Website erfasst, gespeichert und verarbeitet werden.

Datenschutz und Datensicherheit

Datenschutz meint den Schutz der Privatsphäre einer Person. Datensicherheit soll den Verlust oder Missbrauch von Daten verhindern – zum Beispiel durch sichere Passwörter, Firewalls und spezielle Schutzprogramme. Denn für Datenhändler*innen und Kriminelle können die Daten viel Geld wert sein.

In Selbsthilfegruppen, –vereinen oder –verbänden betrifft das insbesondere die Daten der eigenen Mitglieder. Generell gilt: Ihr solltet nur so viele Daten erheben und aufbewahren, wie unbedingt nötig sind. Wenn ihr Daten speichert, müssen eure Mitglieder damit einverstanden sein. Und natürlich dürft ihr die Daten nicht an Dritte weitergeben. Auch bei euch selbst sollten nur diejenigen Zugriff auf die Daten haben, die dies für die Erfüllung ihrer Aufgabe zwingend benötigen. Beispiel: Wenn ihr einen internen Newsletter habt, braucht die Person, die den Newsletter verschickt, eure (E-Mail-) Adressen.

Viele Briefkästen nebeneinander am Wegesrand

Foto: StillWorksImagery/Pixabay

Soziale Medien

Ganz konkret beleuchtet das Projekt „Selbsthilfe sicher im Netz“ die sozialen Medien Facebook, Twitter, YouTube, Instagram, Blogs, Foren und Chats. Das Thema Datenschutz ist hier nochmal ein ganz zentrales. Die meisten Netzwerkanbieter*innen sitzen nicht in der Europäischen Union und halten sich daher auch nicht immer an unsere Datenschutzverordnung.

In den Privatsphäre-Einstellungen der Netzwerke kannst Du entscheiden, wer Deine Posts sehen darf, wer Dir schreiben darf, usw. Das schützt Dich allerdings nicht davor, dass die Netzwerke selbst alle Deine Daten einsehen und ggf. weiterverarbeiten können. Sei hier also besonders vorsichtig, welche Informationen Du preisgibst und welche Fotos du hochlädst – auch in privaten Nachrichten und Gruppen.

Fazit des Projekts ist, dass sich sozialen Netzwerke nur dann lohnen, wenn …

  • … sich jemand in eurer Gruppe / eurem Verband / eurem Verein damit gut genug auskennt (Know-how)
  • … jemand von euch die Zeit dafür aufbringen kann, die Konten zu pflegen
  • … die Zielgruppe, die ihr erreichen wollt, dort überhaupt vertreten ist
  • … ihr die richtigen Inhalte liefern könnt, um eure Zielgruppe auf euch aufmerksam zu machen

Dem können wir nur zustimmen: Ihr müsst nicht überall dabei sein, überall mitmachen. Überlegt euch ganz genau, welche Aktivitäten im Internet für euch überhaupt einen Mehrwert haben. Es ist oft sinnvoller wenige Medien gezielt zu nutzen, als viele Medien halbherzig zu betreiben. Denn mit der Pflege von mehreren Internet- und Social Media-Seiten kann man ganze Vollzeitstellen füllen. Wer das gerade mal so nebenbei machen möchte, kann schnell von der digitalen Mehrarbeit gestresst sein.

Mehr Infos zu Sicherheit im Internet gibt’s hier

Weitere Informationen zum Thema Sicherheit im Internet erhältst Du im „Handbuch zu Fragen des sicheren Umgangs mit Daten im Internet“ oder auf der Website von „Selbsthilfe sicher im Netz“. Dort kannst Du auch mehr über das Projekt selbst erfahren und Rückfragen stellen.

Weitere hilfreiche Infos – nicht speziell auf Selbsthilfe zugeschnitten – findest Du außerdem bei den Projekten klicksafe, saferinternet.at oder mobilsicher.

Im Hintergrund ein Smartphone mit vielen bunten App-Symbolen. Im Vordergrund ein Smily, der sich die Hände an den Kopf hält, weil im schwindelig ist. App-hängig: Wie uns Apps mit ihrem Design verführen wollen
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