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Medienkompetenz ist was fürs Leben!

von Yvonne Wagner

Eigentlich will Kira nur mal rasch im Internet herausfinden, was genau “Disruption” bedeutet. Es passt gerade – sie sitzt in der Bahn, unterwegs zu einem Meeting. Doch da blinkt auf ihrem Smartphone schon das Signal für die Nachrichten, die in der letzten Stunde eingegangen sind. Also schaut sie erst kurz auf den Messenger-Dienst, es könnte ja etwas Wichtiges dabei sein. Tatsächlich: Ihre Freundin hat ihr einen Link zu einem spannenden Job-Angebot geschickt. “Super”, denkt sie, “gleich markieren”. Dann geht sie zurück zur Suche – aber da winkt schon die nächste Info: Sale in der Lieblings-Boutique! Flugs verschafft sie sich einen Überblick. Upps – jetzt hätte sie fast ihre Zielstation verpasst; schnell huscht Kira an den anderen Fahrgästen vorbei. Weshalb sie eigentlich im Netz war, ist längst vergessen. Später, im Meeting, erinnert sie sich wieder: Eigentlich wollte sie sich doch zum Thema Disruption “schlau machen”.

Diese Minuten aus Kiras Alltag sind aus dem wahren Leben gegriffen. So banal ihr Beispiel aber zu sein scheint, so deutlich wird darin auch, wie plötzlich angezeigte Informationen auf dem Smartphone, Tablet oder Desktop den User treiben können. Da stellt sich die Frage, ob der User mit dem digitalen Medium tatsächlich noch selbstbestimmt und reflektiert umgeht? Also: Ist mir eigentlich klar, was ich gerade an meinem Screen tue, weshalb und wozu? Wer diese Fragen zu seinem jetzigen Medienkonsum beantworten kann, verfügt bereits über ein Fundament, auf das sich eine gute Medienkompetenz aufbauen lässt. Eine Fähigkeit, die in einem Alltag mit vielen digitalen Reizen, immer stärker zu einer Lebenskompetenz wird.

Digitale Selbstbestimmung schützt alle

Wer seine technischen Geräte flink und gezielt bedient, zeigt ebenso einen medienkompetenten Umgang. Er weiß etwa, wie er Benachrichtigungen so einstellen kann, dass sie nicht dauernd störend aufpoppen. Solche technischen Fertigkeiten allein reichen aber für die heutigen Lebenswelten nicht mehr aus. Zu einer gut entwickelten Medienkompetenz zählt deshalb auch, die richtige Balance für On- und Offline-Momente zu lernen sowie einen selbstbestimmten und selbstverantwortlichen Umgang mit Medien zu erreichen. Wer seinen Medienkonsum damit sinnvoll einsetzt und selbst steuert, beugt psychischen Erkrankungen – wie einem Überlastungssyndrom oder einer Internetsucht – vor und bleibt gesünder.

Wir alle leben heute in Freizeit und Beruf in vielen verschiedenen digitalen Lebensräumen. Hierdurch hat sich auch die Zielgruppe geändert, die einen reflektierten Medienkonsum braucht, um gesund zu bleiben. Noch vor fünf Jahren standen vor allem Jugendliche im Fokus, weil sie mitunter stundenlang dem Computerspiel frönten. Heute ist es eine ganze Gesellschaft, die lernen muss, wie sie am besten mit dem digitalen Wandel umgeht und sich anpasst – vom Kleinkind bis zum Erwachsenen. Beim jeweiligen Medienkontakt gilt es aber natürlich zu berücksichtigen, in welcher Lebensphase sich ein Mensch gerade befindet.

Medienkompetenz – eine Gesellschaftsaufgabe

Geht es um Kinder, sind vor allem Eltern Vorbilder: Wendet sich Mama oder Papa spontan vom Nachwuchs ab, nur, weil das Handy brummt, ist das ein klares Signal dafür, wie wichtig dieses Gerät für die Eltern ist. Kein Wunder also, wenn der Sprössling das Tool auch für besonders bedeutsam hält. Kinder nehmen wahr, wie sich Erwachsene von der “Zauberwelt” des Internets einfangen lassen. Mitunter ist so auch die Grundlage geschaffen, alles das, was diesem Gerät entstammt, für bare Münze zu nehmen. Fake News, Hass-Kommentare, Cybermobbing, Abzocke – Phänomene, die zum World Wide Web genauso dazu gehören, wie witzige Videos, Übersetzerfunktionen, schnell verfügbare und wertvolle Hintergrundinformationen oder eine bestimmte App. Es ist deshalb eine Gemeinschaftaufgabe, eine Gesellschaft für die digitale Welt fitzumachen. Das fängt in der Kita an und kennt keine Altersgrenze – Medienkompetenz ist also etwas fürs ganze Leben.

Wir benötigen viele verschiedene Anlaufstellen, die sich strukturiert damit auseinandersetzen, was Menschen genau brauchen, um den digitalen Wandel zu nutzen und seine Werkzeuge – also Smartphone und Co – gewinnbringend einzusetzen. Zum Beispiel in der Kita, wenn Betreuer und Kinder gemeinsam ein vom Kind selbst gemaltes Bild als Vorlage nutzen, um es mit dem Werkzeug Smartphone abzufotografieren. Ein weiteres Tool ist eine spezielle App, die das Bild zum Leben erweckt, indem sie eine Bewegung animiert – die perfekte Verbindung aus analogem und digitalem Erleben. Ist der Zweck erfüllt, erfreuen sich alle am Ergebnis und können die Werkzeuge wieder weglegen.

Selbsthilfe als Chance

Ein anderes Modell kann die Selbsthilfe sein. Wie wirkungsvoll sie ist, zeigt sich in dieser Sekunde. Schon die Auseinandersetzung mit diesem Text wird vielen Menschen helfen, über ihren Medienkonsum nachzudenken. Austausch und Reflektion dienen hier als Mosaiksteine, die das individuelle Verhaltensmuster ändern können. Wer sich mit seinen digitalen Anforderungen bewusst beschäftigt, setzt digitale Medien stärker als Werkzeuge ein, anstatt sie passiv zu nutzen und sich treiben zu lassen. Dann wird es auch leichter, sich einmal von den Medien abzugrenzen, ohne diese gleich zu verdammen. Wer dies beherzigt, schafft sich selbst digitale Freiräume und geht mit einer guten Medienkompetenz einen großen Schritt hin zu einem selbstbestimmteren Leben in der digitalen Welt.

Disruption, war da was?

Ach so, und Disruption bedeutet, dass ein aktuelles Produkt durch etwas ganz Neues abgelöst und verdrängt wird. Oft sind das neue digitale Entwicklungen, zum Beispiel mobile Bezahlsysteme. Dafür fällt ein analoger Prozess, wie die persönliche Überweisung in der Bank am Ort, zunehmend weg.

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