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Computerspiele süchtig? Vom Feuer angezogen fühlen, sich die Finger verbrennen

Computerspiele – Süchtig?

Computerspiele machen Spaß und schnell vergisst man die Zeit in den virtuellen Welten. Doch wo hört der Spaß auf, wo beginnt eventuell sogar eine Computerspielsucht? Wann wird exzessives Spielverhalten zum Problem?

Diagnose Computerspielsucht

Die Amerikanische Psychologische Gesellschaft (APA) hat Computerspielsucht bereits 2013 als Forschungsdiagnose in den Kriterienkatalog DSM-5 (Diagnosticand Statistical Manual of Mental Disorders) aufgenommen. Vorgeschlagen werden neun Kriterien, von denen über einen Zeitraum von einem Jahr mindestens fünf Kriterien zutreffen müssen.

Diese Kriterien sollen in der Forschung eingesetzt werden, damit die Studien vergleichbarer werden, als wenn jede Forschungsgruppe sich eigene Kriterien überlegen würde, wie es bis 2013 der Fall war (vgl. Petry & O’Brien, 2013). Dies führt zu wissenschaftlichen Diskussionen und möglicherweise irgendwann zu offiziellen Diagnosekriterien, die in der Praxis eingesetzt werden können. Tatsächlich finden bereits die Forschungskriterien Anwendung in der Praxis.

Computerspielsucht wird nach Angaben der WHO 2018 als Krankheit anerkannt und in die “internationale Klassifikation der Krankheiten” ICD-11 aufgenommen. ICD-Kriterien sind in Deutschland wichtig für die Abrechnung mit der Krankenkasse. Für die Diagnostik psychischer Störungen sind die Kriterien nach DSM eine ausführlichere Grundlage.

Zu einem schönen Fazit kommen Kuss und Kollegen (2017), die fordern, dass

Wissenschaftler, Praktiker, Spielentwickler und Medien zusammen arbeiten müssen, um ein realistisches und  umfassendes Verständnis des Spielens als normal und unterhaltsam zu vermitteln, welches für eine Gruppe von exzessiven Spielern allerdings mit Erfahrungen von sucht-bezogenen Symptomen verbunden ist, die professionelle Hilfe erfordern. [10.1556/2006.6.2017.032]

Hierzu möchte webcare+ einen Beitrag leisten und zusätzlich zu den genannten Gruppen auch direkt Betroffene und ihre Angehörigen ansprechen.

Computerspielsucht-Skala

Für eine chinesische Studie (Sigerson, Li, Cheung, Luk & Cheng, 2017) wurden basierend auf den DSM-5-Kriterien zur Computerspielsucht, neun Interviewfragen erstellt, die mit “Ja” oder “Nein” zu beantworten sind. Diese Skala wurde in einer Telefonbefragung in Hong Kong eingesetzt und nach Ausschluss aller Personen, die keine Spiele spielen, für eine Stichprobe von 502 Personen ausgewertet. Es konnte gezeigt werden, dass diese Skala gut geeignet ist, um Computerspielsucht abzufragen.

Die folgenden Fragen stammen aus der Studie und wurden aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt:

  1. Kannst Du Dich intensiv mit Computerpielen beschäftigen, Dich darin gedanklich verlieren (denke an Deine letzten Spielaktivitäten oder stelle dir vor, das nächste Spiel zu spielen)?
  2. Fühlst Du Dich reizbar, ängstlich oder traurig, wenn Dir die Computerspiele weggenommen werden?
  3. Hast Du das Gefühl, dass Du Dich zunehmend mehr mit den Computerpielen beschäftigen musst, um zufrieden zu sein?
  4. Hast Du mehrfach vergeblich versucht, Dein Computerpielverhalten zu kontrollieren?
  5. Hast Du als Folge Deines Spielverhaltens das Interesse an anderen Hobbys und Unterhaltungsmöglichkeiten, mit Ausnahme der Computerspiele, verloren?
  6. Spielst Du weiterhin exzessiv Computerspiele, obwohl Du Deine psychosozialen Probleme kennst?
  7. Hast Du Familienmitglieder, Therapeuten oder andere über den Umfang Deines Computerspielverhaltens belogen?
  8. Nutzt Du Computerspiele als Ausweg einer negativen Stimmung zu entkommen oder Dich daraus zu befreien (z.B. Gefühl von Hilflosigkeit, Schuld, Angst)?
  9. Hast Du wegen Deines Computerspielverhaltens eine bedeutsame Beziehung, einen Job oder eine Karrieremöglichkeit bzw. einen Schulplatz gefährdet oder verloren?

Solltest Du mehrere Fragen für dich selbst mit “Ja” beantwortet haben, reflektiere Dein Spielverhalten und nimm gerne Hilfe in Anspruch. Hier findest du eine Übersicht an Ansprechpartnern. Eine Kontaktaufnahme ist immer unverbindlich, niemand kann Dir helfen, wenn Du es nicht möchtest! Deine Fragen werden immer vertraulich behandelt! Die Mitarbeiter unterliegen der gesetzlichen Schweigepflicht.


Quellen:

Kuss, D.J.; Griffiths, M.D. & Pontes, H.M. (2017). DSM-5 diagnosis of Internet Gaming Disorder: Some ways forward in overcoming issues and concerns in the gaming studies field. Journal of Behavioral Addictions, 6 (2), 133-141.[DOI: 10.1556/2006.6.2017.032]

Petry, N.M. & O’Brien, C.P. (2013) Internet gaming disorder and the DSM-5. Addiction, 108 (7), 1186-1187. [DOI: 10.1111/add.12162}

Sigerson, L.; Li, A.Y.-L., Cheung, M. W.-L., Luk, J.W. & Cheng, C. (2017) Psychometric properties of the Chinese Internet Gaming Disorder Scale, Addictive Behaviors, 74, 20-26. [Doi: 10.1016/j.addbeh.2017.05.031]

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