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Mann und Frau beim Zocken

Foto: Afif Kusuma / Unsplash.com

Videospiele: Wie Eltern das Spielverhalten ihrer Kinder beeinflussen

07 April 2022

Lesezeit 6 Minuten

Eine Frage taucht in unseren webcare+ Webinaren immer wieder auf: Wie viel Bildschirmzeit ist für mein Kind okay? Die einfache, aber meist nicht zufriedenstellende Antwort darauf lautet: Das kommt auf Dein Kind an. Denn die Bildschirmzeit allein ist weit nicht so wichtig, wie viele glauben. Viel wichtiger wären folgende Fragen: Was genau macht Dein Kind vorm Bildschirm? Welche Medien und Inhalte nutzt es? Zu welchem Zweck? Und was viele Eltern gerne einmal vergessen: Sie sind Vorbilder für ihre Kinder. Ihr Verhalten und ihre Beziehung zu ihren Kindern kann deren Mediennutzung nachweislich beeinflussen, auch hinsichtlich Videospiele. Wie genau, das erklären wir Dir in diesem Blogartikel.

Eltern beeinflussen ihre Kinder – aber wie?

Dazu schauen wir uns zunächst eine Meta-Studie an, die 14 Studien aus den Jahren 2007 bis 2017 durchgearbeitet, ausgewertet und aussagekräftige Trends herausgearbeitet hat. Danach werfen wir einen Blick in eine neue Veröffentlichung aus dem Februar 2022, die sich noch einmal intensiv mit der Frage nach der Vorbildrolle von Eltern befasst hat. Die Quellenangaben findest du am Ende dieses Blogartikels.

Die Meta-Studie hat aufgelistet, welche elterlichen Faktoren das digitale Spielverhalten von Kindern beeinflussen könnte:

  1. Eltern-Status: Sozioökonomischer Status, psychische Gesundheit
  2. Eltern-Kind-Beziehung: Zuneigung, Wärme, Konflikt, Missbrauch
  3. Elterlicher Einfluss: Aufsicht des Spielens, Einstellungen zum Spielen, Vorbildrolle
  4. Familiäres Umfeld: Zusammensetzung des Haushalts

Videospiele, Eltern-Status und familiäres Umfeld

Zu den beiden Bereichen Elternstatus und familiäres Umfeld gab es nicht so viele Studien. Daher gibt es hierzu auch nur wenige bzw. nicht ganz so aussagekräftige Ergebnisse. Ein paar Hinweise konnte die Meta-Analyse dennoch finden:

Die meisten Studien konnten keinen Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und problematischen Computerspielen nachweisen. Das heißt, wie arm oder reich eine Familie ist, hat vermutlich keinen Einfluss auf das Risiko, eine Computerspielsucht (Gaming Disorder) zu entwickeln.

Exzessives Videospielen trat jedoch häufiger bei Jugendlichen auf, deren Eltern eine Vorgeschichte mit psychischen Gesundheitsproblemen hatten. Zudem hatten Jugendliche aus alleinerziehenden und Patchwork-Familien ein höheres Risiko, problematisches Spielen zu zeigen, als Jugendliche aus Familien, in denen beide leiblichen Eltern zusammenleben.

Tintenfisch-Kuscheltier am Playstation-Controller

Foto: Saskia Rößner / webcare+

Videospiele und Eltern-Kind-Beziehung

In diesem Punkt scheinen sich alle Studien einig zu sein: Je besser die Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind ist, desto geringer ist sein Risiko, an einer Computerspielsucht zu erkranken. Oder anders herum ausgedrückt: Je schlechter eure Beziehung zueinander ist, desto anfällig ist Dein Kind, problematisches Spielverhalten zu entwickeln. Kinder und Jugendliche, die exzessiv Videospiele spielen, berichteten von weniger Zeit und sozialen Aktivitäten mit den Eltern sowie weniger elterlicher Zuneigung. Zudem gaben sie an, eine schlechtere Erziehung erhalten zu haben und in einem schlechteren familiären Umfeld zu wohnen. Eine gute Eltern-Kind-Beziehung scheint also eine Art Schutzfaktor gegen Computerspielsucht darzustellen.

Bei Kindern, die schon an problematischem Computerspielen litten, zeigte sich in einigen Studien, dass die Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung die Symptome verringern konnte. Allerdings deutet eine Studie auch darauf hin, dass die Qualität der Beziehung abnimmt, wenn das problematische Spielen über mehrere Jahre andauert. Ein Zeichen dafür, wie wichtig schnelles Eingreifen und schnelle Hilfe sind.

Eltern sind Vorbilder – auch beim Zocken

Wenn Eltern nicht viel von digitalen Spielen halten, die Kinder jedoch begeistert zocken, ist Stress oft vorprogrammiert. Die geliebte Freizeitaktivität zu verteufeln, könnte jedoch nach hinten losgehen. Eine Studie hat Hinweise darauf gefunden, dass eine negative Einstellung gegenüber Computerspielen der Eltern mit mehr Symptomen von Gaming Disorder bei den Kindern zusammenhängt. Hilfreicher ist es da vermutlich, die Kinder beim Spielen zu beaufsichtigen, anzuleiten und bei Fragen zur Verfügung zu stehen. Zumindest deuten manche Studien darauf hin, dass dies problematischem Computerspielen vorbeugen könnte.

Einen eindeutigen Zusammenhang gibt es laut der Meta-Studie auch zwischen der Häufigkeit des elterlichen Spielens, der Häufigkeit elterlicher Einladungen zum Spielen und problematischem Spielen bei Jugendlichen. Dass Eltern selbst oft zocken, scheint ein Risikofaktor für eine Gaming Disorder der Kinder darzustellen.

Tintenfisch-Kuscheltier am Playstation-Controller

Foto: Saskia Rößner / webcare+

Die neue Studie aus 2022 bestätigt diesen Zusammenhang: Wenn Eltern angaben, Gamer*innen zu sein, waren ihre Kinder mit höherer Wahrscheinlichkeit ebenfalls Gamer*innen. Videospiele als gemeinsames Hobby? So weit, so gut. Wenn die elterlichen Symptome einer Gaming Disoder hoch waren, waren es im Durchschnitt jedoch auch die ihrer Kinder. Wie lässt sich das erklären? Die Theorie des sozialen Lernens erscheint den Forschenden als eine geeignete Erklärung. Danach neigen Kinder dazu, das Verhalten ihrer Vorbilder nachzuahmen.

„Kinder sind gute Beobachter und kopieren das Verhalten ihrer Umwelt und natürlich auch das Verhalten ihrer Eltern. Eltern sollten sich daher ihrer Vorbildfunktion für Kinder bewusst sein und ggf. ihr eigenes Spielverhalten überdenken. Sie sollten ihr eigenes Spielverhalten reflektieren und überlegen, es zu reduzieren, um zu verhindern, dass ihre Kinder ein problematisches Spielverhalten oder gar eine Gaming Disorder entwickeln.“

Quellen

Wernicke & Montag (2022): Linking Gaming Disorder Tendencies in Children to Their Personality and Parental Gaming Behavior.

Schneider, King & Delfabbro (2017): Family factors in adolescent problematic Internet gaming: a systematic review.

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