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Mensch steht mit Handy vor einer Wand, auf der "No Activ" steht

Dual Sim: Auszeit für Workaholics mit zweiter Handykarte

Lesezeit 7 Minuten

Endlich Feierabend! Oder doch nicht?

Du kochst Dir etwas leckeres, setzt Dich zum Essen auf den Balkon, willst gerade die erste Gabelladung in Deinen Mund schieben und dann passiert es: Dein Handy klingelt, auf dem Bildschirm leuchtet die Nummer von Deiner Arbeitsstelle. Du nimmst den Anruf an. Die Kolleg*innen haben noch ein paar Fragen zu einem Termin, der nächste Woche stattfindet. Du beantwortest sie pflichtbewusst. Als Du fertig mit dem Telefonat bist, ist Dein Essen kalt.

Am Abend hast Du noch nichts vor, deine Freund*innen haben heute keine Zeit. Du schaust Dir zuhause einen Film an. Während Du auf dem Sofa sitzt und Dein*e Lieblingsschauspieler*in gerade ein Abenteuer auf dem Bildschirm erlebt, schaust Du auf Dein Handy. Du prüfst nur kurz, ob bei der Arbeit noch E-Mails nach Feierabend eingegangen sind. Ein paar davon beantwortest Du direkt. „Dann muss ich das morgen nicht machen“, denkst Du Dir.

Mensch sitzt im bett und arbeitet am Laptop

Der Film ist zu Ende, so richtig abschalten konntest Du aber noch nicht. Du legst Dich aufs Bett und nimmst das Buch in die Hand, das seit Wochen auf Deinem Nachttisch liegt, mit dem Du aber einfach nicht vorankommst. Da klingelt nochmal Dein Handy. In der Messenger-Gruppe fragen Deine Kolleg*innen, ob ihr morgen zusammen zum Mittag essen wollt. Schnell entsteht eine Diskussion, wo es denn hingehen soll: Italienisch, asiatisch oder doch lieber nur zum Imbiss an der Ecke?

Zeit zum Schlafen, gedanklich bist Du aber noch bei Deinen E-Mails. „Hätte ich die eine Mail vielleicht doch noch beantworten sollen?“ Zu der Veranstaltung nächste Woche ist Dir auch noch was eingefallen. „Da muss ich morgen unbedingt noch dran denken!“ Du grübelst noch ein bisschen vor Dich hin bevor Du endlich einschlafen kannst. Morgen klingelt der Wecker eine halbe Stunde früher als sonst, damit Du doch noch schnell die eine E-Mail von zuhause aus beantworten kannst.

Kommt Dir das bekannt vor? Dürfen Dein*e Arbeitgeber*in und Deine Kolleg*innen Dich auch nach Feierabend kontaktieren? Dann bist Du damit nicht alleine. Außerhalb der regulären Arbeitszeiten sind 85 Prozent der Berufstätigen für berufliche Angelegenheiten erreichbar – jede*r dritte Arbeitnehmer*in sogar jederzeit.

Mensch telefoniert auf der Straße mit dem Handy

Ständige Erreichbarkeit kann belastend sein

Die Belastung durch erweiterte Erreichbarkeit, wie sie in der Fachsprache genannt wird, hat mehrere Ebenen. Selbst wenn Du nur eingeschränkt für Arbeitskontakte erreichbar bist, klare Grenzen ziehst oder Anrufe ignorierst, kann Dich das stressen (Menz 2017):

  • Mangelnde Erholung durch Unterbrechung der Freizeit: Erhältst Du einen Anruf oder eine E-Mail von Deiner Arbeit, wird Dein Erholungsprozess unterbrochen. Auch wenn Du gar nichts tust, wirst Du Dich vermutlich doch einige Zeit gedanklich mit dem Anliegen beschäftigen. Bis Dein Kopf dann wieder in den Freizeitmodus geschaltet hat, dauert es.
  • Unlösbarkeit von Problemen: Deine Kolleg*innen rufen Dich vermutlich nur dann an, wenn sie glauben, eine schwierige Aufgabe nicht alleine lösen zu können. Gleichzeitig hast Du zuhause oder unterwegs aber vielleicht gar nicht die Möglichkeit, das Problem zu lösen. Das kann Dich ins Grübeln bringen und Punkt 1 noch verstärken.
  • Belastung durch potentielle Erreichbarkeit: Nicht nur die tatsächliche Kontaktaufnahme mit Kolleg*innen oder Chef*in können Dich belasten. Auch das Warten auf einen Anruf, beispielsweise bei einer Rufbereitschaft, lassen Dich nicht richtig zur Ruhe kommen. Übrigens: Auch abgeblockte und ignorierte Anrufe können Dir aufs Gemüt schlagen.
  • Belastung durch Grenzziehungsarbeit: Wo endet Arbeit und wo beginnt Freizeit? Welche Grenzen möchtest Du Deinen Kolleg*innen setzen? Aktiv Strategien zu entwickeln und einzuhalten, um bei erweiterter Erreichbarkeit Privates und Berufliches zu trennen oder miteinander zu vereinbaren, kann anstrengend sein.
  • Überlagerung mit anderen Belastungen: Besonders stressig kann die Erreichbarkeit außerhalb Deiner Arbeitszeit werden, wenn Dein Berufsalltag eh schon belastend für Dich ist. Verdichtete Arbeitsaufgaben, Termindruck, überquellendes E-Mail-Postfach – Die Überlastung am Arbeitsplatz kann über erweiterte Erreichbarkeit auch in Dein Privatleben überschwappen.
Mensch sitzt auf dem Sofa und packt sich gestresst an den Kopf

Erschöpfung, Stress, Schlafstörungen

Mögliche Folgen dieser Belastung können Erschöpfung, Stress, Probleme im mentalen Abschalten und der Erholung, Schlafstörungen, häufigeres Kranksein, weniger Freizeitaktivitäten sowie Konflikte innerhalb der Familie oder Partner*innenschaft sein (Gross/Krämer 2018).

Um negative Konsequenzen Deiner Erreichbarkeit zu vermeiden, kannst Du versuchen, Kolleg*innen und Chef*in klare Regeln zu setzen. Wann bist Du erreichbar und wann nicht? In welchen Fällen bist Du erreichbar und in welchen nicht? Falls das nicht die gewünschte Wirkung zeigt, kannst Du auf andere Lösungsmöglichkeiten zurückgreifen. Einige Beispiele:

  • E-Mails, die dir von deiner Arbeit geschrieben oder weitergeleitet werden, blockieren (zumindest nachts, am Wochenende und im Urlaub)
  • Diensthandy (falls Du eines hast) am Arbeitsplatz liegen lassen
  • Handy mit zwei Sim-Karten, einer beruflichen und einer privaten, nutzen
Viele Sim-Karten liegen auf einem Haufen

Dual Sim: Zweite Sim-Karte für Berufliches

Wenn Du Deine Arbeit und Deine Freizeit klar voneinander trennen möchtest, vor allem auch auf kommunikativer Ebene, dann kann eine zweite Handykarte (Sim-Karte) eine Lösung sein. Mit einer zweiten Sim-Karte kannst Du auf Deinem Smartphone eine private und eine berufliche Nummer parallel nutzen – und letztere in Deiner Freizeit bewusst deaktivieren.

Tipp: Wahrscheinliche kennt Dein*e Arbeitgeber*in schon Deine private Handynummer. Sobald Du Deine zweite Sim-Karte aktiviert hast, kannst Du allen, für die Du nur zu Deinen Arbeitszeiten erreichbar sein möchtest, eine Nachricht schicken: „Hallo, ich habe eine neue Nummer. Ich bin ab sofort nur noch erreichbar über 0123456789. Bitte löschen Sie die alte Nummer. Vielen Dank und liebe Grüße.“

Zwei Sim-Karten passen allerdings nicht in jedes Handy, sondern nur in sogenannte Dual Sim Handys. Diese verfügen über zwei Steckplätze für Sim-Karten. Hier kannst Du also eine zweite Karte mit einer eigenen Rufnummer nur für berufliche Zwecke platzieren. Dafür ist auch ein extra Handyvertrag notwendig. Gut zu wissen: Die Verträge für Deine private und Deine berufliche Nummer können auch von zwei verschiedenen Anbieter*innen sein.

Ein Bahngleis teilt sich in zwei Gleise auf

Was kann man mit der zweiten Sim-Karte machen?

Mit einem Dual Sim Handy kannst Du bei jedem Anruf, jeder SMS und auch bei einigen Messengern jedes Mal frei wählen, ob Du über die private oder die berufliche Telefonnummer Kontakt aufnehmen möchtest. In den Sim-Karten-Einstellungen kannst Du aber auch Favoriten festlegen, zum Beispiel SMS bevorzugt über die berufliche, Anrufe bevorzugt über die private Nummer. Wechseln kannst Du dann trotzdem jederzeit.

Die einzelnen Sim-Karten lassen sich umbenennen (privat und beruflich, Freizeit und Arbeit, usw.) und jederzeit deaktivieren. Wenn Du Deine Arbeitsstelle verlässt, kannst Du die berufliche Nummer einfach ausschalten. Bei manchen Handys kannst Du dafür sogar feste Zeiten einstellen. Dann deaktiviert sich Deine Job-Rufnummer beispielsweise automatisch zwischen 20 und 6 Uhr sowie am Wochenende.

Gut zu wissen: Bei eingehende Anrufen wird dir angezeigt, ob die Person deine private oder berufliche Nummer gewählt hat. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn Du die Nummer nicht kennst oder sie unterdrückt wird. So kannst Du erahnen, welches Anliegen hinter dem Anruf stecken könnte und im Zweifelsfall nicht dran gehen.

Tipp: Auch für Freiberufler*innen und (Teil-) Selbstständige kann ein Dual Sim Handy eine gute Möglichkeit sein, private und berufliche Kommunikation zu trennen.

Sieben einfache Tricks, wie Du weniger Zeit mit dem Smartphone verbringst, findest Du übrigens in diesem Artikel unseres Blogs.

(Fotos: pexels/pixabay, victoria heath/unsplash, free-photos/pixabay, nik shuliahin/unsplash, publicdomainpictures/pixabay, geraldfriedrich2/pixabay)

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