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Mehrere Menschen zeigen mit ihren FIngern auf einen Laptopbildschirm

Foto: John Schnobrich / Unsplash.com

Internetnutzung 2021: Die neue ARD/ZDF-Onlinestudie ist da

25 November 2021

Lesezeit 6 Minuten

Im Oktober haben wir uns im Rahmen eines Themenmonats zu Mediensucht und Corona die Internetnutzung seit Ausbruch der Pandemie angesehen. Nicht verwunderlich und erstmal auch nicht verwerflich: Bei vielen Menschen sind die Nutzungszeiten gestiegen, teilweise stark. Verständlich, wo während der Lockdowns doch alternative Freizeitaktivitäten rar waren. Daher haben diverse Medienangebote in der Corona-Krise an Bedeutung zugenommen – zur Unterhaltung, Information und Kommunikation.

Infografik Bedeutungszuwachs von Medienangeboten während Corona

Grafik: ARD/ZDF

Unserem Blogartikel zu den Daten, Zahlen und Fakten rund um die Mediennutzung unter Covid-19 schlossen wir mit dem Satz:

„Bleibt zu hoffen, dass Bildschirmzeit und Realitätsflucht bei den allermeisten Menschen mit Ausschleichen der Pandemie ebenfalls wieder abnehmen.“

Heute, rund sieben Wochen später, sind nicht nur die Infektionszahlen in die Höhe geschnellt, auch die Mediennutzung scheint weiterhin auf einem Hoch zu sein. Zumindest sieht so das Ergebnis der neuen ARD/ZDF-Onlinestudie aus. Wir haben uns die Studie angesehen und für Dich ein paar Kernaussagen zusammengefasst.

Tägliche Internetnutzung allgemein

94 Prozent der deutschen Bevölkerung sind online. Bei den unter 50-Jährigen sind es sogar 100 Prozent. Täglich online sind allerdings nur 76 Prozent. Etwa genauso viele Menschen nutzen das Internet auch mobil.

Zeitlich hat die Internetnutzug im Vergleich zum ersten Corona-Jahr noch mal ordentlich zugelegt. Waren wir 2020 durchschnittlich 204 Minuten täglich online, 2021 sind es 227 Minuten. Vor der Pandemie waren es 193 Minuten (2019) beziehungsweise 196 Minuten (2018).

Dass im ersten Lockdown die Zahlen gestiegen sind, ist wie oben erwähnt nicht verwunderlich. Viele Menschen wurden vom Virus und den Schutzmaßnahmen womöglich überrumpelt. Wo andere Freizeitaktivitäten – oder die Ideen dafür – fehlten, hielten Internet-Angebot her.

Dass im zweiten Lockdown die Zahlen noch einmal steigen und in Relation zum ersten Mal sogar noch stärker, lässt uns aber wundern. Der zweite Lockdown war nicht so scharf wie der erste und einige Menschen waren zu der Zeit schon geimpft. Nach einem Jahr Corona-Erfahrung fehlen aber scheinbar immer noch vielen Leuten die Ideen oder die Motivation, ihre Freizeit abseits vom Bildschirm zu verbringen.

Geht Dir das genauso?

Säulendiagramm Onlinezeit

Grafik: webcare+, Zahlen: ARD/ZDF

Mediale Internetnutzung pro Tag

Mehr als die Hälfte (55 %) der Befragten konsumiert täglich Medien über das Internet. Gemeint sind hier vor allem Video, Audio und Text. Im letzten Jahr waren es noch glatte 50 Prozent (2019: 44 %; 2018: 43 %).

Im Durchschnitt ist die mediale Onlinezeit von 120 Minuten (2020) auf 136 Minuten (2021) gestiegen. In den Jahren vor der Pandemie lag sie bei 99 Minuten (2019) beziehungsweise 100 Minuten (2018). Mit der medialen Internetnutzung ist die Zeit gemeint, in der Videos, Audio oder Texte über das Internet konsumiert werden. Beispiele hierfür sind Netflix, YouTube, Spotify, Online-Zeitungen oder Blogs. Dass Du gerade diesen Blogartikel liest, gehört also auch dazu.

Säulendiagramm mediale Internetnutzungszeit

Grafik: ARD/ZDF

Wie so oft bei der Internetnutzung sind die Werte der jungen Nutzer*innen sehr viel höher als im Durchschnitt und die Zahlen nehmen mit steigendem Alter ab. So verbringen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren durchschnittlich mehr als zehn Mal so viel Zeit mit Online-Medien wie ihre Mitmenschen ab einem Alter von 70 Jahren. Besonders bei Video und Audio sind die Unterschiede klaffend.

Aber: In Relation den größten Zuwachs mit einem Plus von 41 Minuten zum Vorjahr haben die 30- bis 49-Jährigen verzeichnet. Aus Prinzip immer auf die Jüngsten zu schimpfen, ist an dieser Stelle also fehl am Platz. Ganz im Gegenteil: In der Gruppe der Befragten zwischen 30 und 49 Jahren werden vermutlich viele Eltern dabei sein, die eine wichtige Vorbildrolle für ihre Kinder innehaben. Wenn bei ihnen die Nutzungszahlen besonders stark ansteigen, könnte das auf lange Sicht einen negativen Effekt auf die jüngere Altersgruppe haben.

Beliebteste Online-Angebote und Apps

Und was machen wir da online nun die ganze Zeit? Die ARD/ZDF-Studie hat auch nachgefragt, welche Medien konkret konsumiert werden. Messenger und Suchmaschinen liegen vorn auf, was nicht verwunderlich ist, vor allem in Zeiten von Lockdowns und Social Distancing. Was jedoch die eine oder den anderen überraschen mag, ist die Beliebtheit der guten alten E-Mail einerseits und von Online-Mediatheken als meist seriöse Informationsquelle andererseits. Erst danach folgen die Unterhaltungsmedien der jüngeren Generation: Video- und Audio-Streaming. Noch vor den Podcasts können sich zwei Medien aus dem letzten Jahrhundert – Fernsehen und Radio – auch in der Onlinewelt behaupten. Der oft totgesagte Newsletter ist noch gar nicht tot und sogar beliebter als Online-Zeitungen/-Zeitschriften. Denn die landen sogar noch hinter den Online-Hörbüchern. Überrascht?

Balkendiagramm Beliebtheit Onlineangebote

Grafik: webcare+, Zahlen: ARD/ZDF

Übrigens: Videospiele und Onlinespiele kommen in der ARD/ZDF-Studie nur am Rande vor. Warum? Vermutlich haben digitale Spiele für die Auftraggeber*innen keine so hohe Relevanz. Für die öffentlich-rechtlichen Sender stellen Video, Audio und Texte im Internet ein gewisses Konkurrenz-Angebot dar. Da sie selbst aber keine Spiele anbieten, dürfte ihr Interesse an deren Nutzungsgewohnheiten eher gering sein.

An den Marktanteilen gab es nur geringe Veränderungen. Marktführer*innen sind beim Video weiterhin YouTube und Netflix, beim Audio weiterhin Spotify und bei Messengern weiterhin WhatsApp. Bei den sozialen Netzwerken ist immer noch Facebook Spitzenreiter*in, Instagram holt allerdings immer weiter und schneller auf. Vor allem bei den unter 30-Jährigen ist die App beliebt.

Infografik Social Media

Grafik: ARD/ZDF

Infografik Streaming, Musik und Messenger

Grafik: ARD/ZDF

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Quellen

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