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Shopaholics: Online-Shopping kann bei Kaufsucht besonders riskant sein

Lesezeit 8 Minuten

Zwischen fünf und sieben Prozent der Deutschen sind nach Schätzungen von Kaufsucht betroffen, Frauen und Männer seien gleichermaßen betroffen. Das berichten Janina Steger und Prof. Dr. Astrid Müller von der Medizinischen Hochschule Hannover in einem Artikel der Zeitschrift Psychotherapeut.

Für Menschen, die an Kaufsucht leiden, kann Online-Shopping um ein vielfaches riskanter sein als der Kaufrausch im Geschäft um die Ecke. „Die Möglichkeit von Onlinekäufen erhöht das Risiko, die Kontrolle über das Kaufverhalten zu verlieren“, schreiben Müller und Steger. Dieser Ansicht sind auch Prof. Dr. Gerhard Raab von der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft Ludwigshafen und Michael Neuer, wie aus einem Artikel in der Zeitschrift NeuroPsychoEconomics hervorgeht. Doch woran liegt das? Die Autor*innen sehen mehrere Faktoren kritisch.

Online-Shop auf Handy und Kreditkarte daneben

Warum ist Online-Shopping für Kaufsüchtige besonders gefährlich?

1. Möglichkeit: Immer, überall und schnell

Online-Shops haben rund um die Uhr geöffnet und sind von fast überall aus erreichbar. Der Kauflaune sind keine zeitlichen oder örtlichen Grenzen gesetzt. Du kannst immer und überall bestellen. Der Kauf-Akt selbst erscheint zudem online viel bequemer zu sein als im Geschäft: Mit nur wenigen Klicks (in manchen Shops sogar mit nur einem Klick) kannst Du die Ware direkt nach Hause geliefert bekommen. Da bleibt jedoch keine Zeit mehr, um noch einmal über den Inhalt Deines Einkaufskorbes nachzudenken.

2. Preise: Günstig, günstiger, am günstigsten

Ausverkaufe und Rabatt-Aktionen kennen wir auch von lokalen Geschäften, die ihre reduzierte Ware mit roten Preisschildern oder überdimensionalen Plakaten bewerben, um Kund*innen zum Kauf zu verlocken. Online bist Du auf fast jeder Website und in jedem sozialen Netzwerk permanenter Werbung ausgesetzt. Oft sind die Anzeigen sogar noch auf Deine Interessen zugeschnitten und können Dich umso stärker reizen. Schnäppchenjäger*innen können sich in den Tiefen der Preisvergleich-Portale regelrecht verlieren.

3. Lieferung: Schnell, kostenlos und zum Mitfiebern

Lieferung und Retoure sind inzwischen bei vielen Shops kostenlos, zumindest ab einem gewissen Bestellwert. Das kann Deine Hemmschwelle für Großeinkäufe senken. Bei vielen Anbietern kannst Du Deine Bestellung online nachverfolgen. Wurde sie schon verpackt? Ist sie schon auf dem Weg zu Dir? Um wie viel Uhr wird sie zugestellt? Das kann die Vorfreude auf das Produkt steigern. Beim Online-Kauf kann insgesamt eine zwei- bis dreifache Belohnung in Form von Glückshormonen winken: Erstens beim Kaufklick selbst, zweitens bei der Lieferung und drittens, falls es von Familie oder Freund*innen Komplimente für das neu gekaufte gibt.

4. Bezahlung: Morgen, übermorgen oder noch später

Wer online kauft, zahlt in der Regel nicht mit Bargeld. Zahlst Du mit Kreditkarte oder Vorkasse, hast Du keine Geldscheine mehr in der Hand, die Du in einem bewussten Akt weggeben musst, um im Tausch die Ware zu erhalten. Noch riskanter: Bezahlarten, bei denen Du nicht einmal mehr deine Giro- oder Kreditkarte in die Hand nehmen musst, beispielsweise PayPal, Paydirekt oder Amazon Pay. Die Rechnung oder Kreditkartenabrechnung kommt häufig erst später, ein paar Tage, Wochen oder Monate, je nach Anbieter des Online-Shops oder der Kreditkarte. Auch eine Bezahlung in Raten ist manchmal möglich. So kannst Du leicht den Überblick über Deine ausstehenden Zahlungen und Deinen Kontostand verlieren.

Laptop mit Online-Shop und Kreditkarte

Online und offline: Was kannst Du gegen Kaufsucht tun?

1. Du bist Dir nicht sicher, ob Dein Kaufverhalten normal ist?

Der Übergang vom leidenschaftlichen Shopping hin zur echten Kaufsucht ist fließend. Sich selbst einzuschätzen, fällt vielen Menschen zudem schwer. Die Suchtberatung Aargau (Schweiz) und der Verein Suchtmittel bieten auf ihren Internetseiten jeweils einen Online-Fragebogen an. Hier kannst Du selbst testen, ob Deine Kaufgewohnheiten problematisch sein könnten. Natürlich ersetzt dieser Fragebogen nicht das Gespräch bei einer Beratungsstelle oder mit einer psychologischen Fachkraft. Er kann aber eine erste Selbsteinschätzung geben.

3. Du möchtest erstmal selbst versuchen, Dein Kaufverhalten zu reduzieren?

Einfach weniger kaufen? Das klingt leichter, als es für Menschen, die an Kaufsucht leiden, wirklich ist. In den oben erwähnten Artikeln nennen die Autor*innen dennoch ein paar Methoden, um die eigenen Kaufgewohnheiten zu ändern:

  • Du könntest Einkaufslisten mit den wirklich benötigten Dingen schreiben und nur das kaufen oder bestellen, was draufsteht. Eine Liste aller Deiner Ausgaben kann zusätzlich hilfreich sein, um den Überblick zu behalten.
  • Du könntest nur noch mit Bargeld bezahlen und Deine EC- und Kreditkarte abgeben. Achtung: Bei Bezahloptionen wie PayPal hilft dies natürlich nicht. Eventuell kannst Du mit Deiner Bank eine Höchstgrenze für Ausgaben vereinbaren.
  • Du könntest versuchen, Onlineshops und Werbung so gut es geht zu meiden. Möglichkeiten wären beispielsweise, die Internetseiten von Shops zu sperren, Deine Kund*innenkonten zu löschen und Dir eine neue werbefreie E-Mail-Adresse anzulegen.
  • Du könntest Dir bei Deinen Einkäufen von Familie oder Freund*innen eine zweite Meinung einholen. Alleine einzukaufen, ist riskanter als in Begleitung.
  • Du könntest Deine Kaufentscheidungen nicht sofort treffen, sondern Dir Zeit zum Nachdenken nehmen, ob Du das Produkt wirklich brauchst (beispielsweise 24 Stunden).

4. Du möchtest Hilfe und Unterstützung, um Dich von der Kaufsucht zu befreien?

Eine Sucht allein unter Kontrolle zu bekommen, kann schwierig sein. Sich Hilfe zu holen, ist vollkommen okay. Ob Du lieber in eine Selbsthilfegruppe gehen, eine Bratungsstelle aufsuchen oder eine Therapie machen möchtest, ist Deine Entscheidung. Oft ist eine Kombination verschiedener Angebote am hilfreichsten. Probiere einfach aus, womit Du Dich wohl fühlst und was Dir guttut. Wenn Du bereits Schulden hast, weil Du Deine Rechnungen nicht mehr bezahlen kannst, kann auch ein Gespräch bei der Schuldner*innenberatung sinnvoll sein.

Quellen
  • Raab, Gerhard. & Neuner, Michael (2008). Kaufsucht im Internet – Eine Studie am Beispiel des Kauf- und Auktionsverhaltens auf Ebay. NeuroPsychoEconomics, 3, 34-42.
  • Steiger, Janina & Müller, Astrid (2010). Pathologisches Kaufen. Psychotherapeut, 55, 429-440.
  • Fotos: artem bali/unsplash, photomix-company/pixabay, stocksnap/pixabay
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