Information: Das hier ist das Transkript zu einer Podcastfolge. Wenn du die Podcastfolge stattdessen lieber anhören oder ansehen möchtest, findest du die Links dazu am Ende des Textes.
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Saskia Rößner: Herzlich willkommen zu „Social-Media-Sucht verstehen“, der dritten Staffel von „Mediensucht verstehen“, einem Podcast der Hessischen Landestelle für Suchtfragen, gefördert durch die Techniker Krankenkasse in Hessen. Mein Name ist Saskia Rößner und mit mir hier im Studio ist Christian Montag. Hallo Christian.
Christian Montag: Hallo Saskia.
Saskia Rößner: Wir widmen uns heute einer hochaktuellen Frage. Ich glaube, es gibt wenig, was aktuell so heiß diskutiert wird – zumindest, wenn wir auf Social Media gucken – wie die Frage, ob wir eine Altersbeschränkung brauchen und wenn ja, ab welchem Alter. Was sagst du zu der aktuellen Debatte?
Social Media laut AGB erst ab 13 Jahren
Christian Montag: Ja, ich habe tatsächlich über die Frage sehr, sehr viel nachgedacht – auch schon bevor Australien tätig geworden ist. Australien hat ja eine Altersbegrenzung eingeführt, nämlich dass vor dem 16. Lebensjahr die sozialen Medien nicht genutzt werden dürfen. Bevor wir auf die Details eingehen, die das Ganze relativ komplex machen, müssen wir erstmal für unseren hiesigen Standort festhalten, wo wir eigentlich stehen. Wir haben für die meisten Angebote dieses Einstiegsalter von 13 Jahren.
Saskia Rößner: Das steht in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Apps.
Christian Montag: Genau, und da ist glaube ich erst mal hilfreich, noch mal darüber nachzudenken, wie es denn überhaupt zu den 13 Jahren gekommen ist. Weil de facto wissen wir, dass viele jüngere Leute auf den Plattformen wie TikTok unterwegs sind – teilweise Kinder mit 8, 9, 10 Jahren. Wie ist es denn zu dieser Zahl 13 gekommen? Da zeigt sich schon, dass auch diese Zahl etwas merkwürdig ist, zumindest wenn man den Hintergrund kennt.
Wir gehen mal so in die 90er Jahre zurück. Das war die Zeit, als das World Wide Web ein zartes Pflänzlein war. Es war so 90, 91, als – mittlerweile Sir – Tim Berners-Lee die ersten HTML Webseiten online gestellt hat. Der hat den HTML Code entwickelt, gilt als der Erschaffer, Erfinder des World Wide Webs. Das heißt, wir reden über eine Zeit, in der die digitale Ökonomie sehr jung war.
Altersgrenze von 13 Jahren in den 90ern willkürlich festgelegt
Christian Montag: Die Amerikaner und Amerikanerinnen haben gesagt, „Wir wollen nicht die ganze Industrie abwürgen, weil man da ja für alles verklagt werden kann, was sehr, sehr schnell, sehr teuer werden kann.“ Deswegen haben sie gesagt, dass sie mehrere Dinge brauchen, zum einen den „Communications Decency Act“. Manche sagen, dass das die wichtigsten juristischen Worte sind, die das World Wide Web überhaupt so möglich gemacht haben. Die sagen nämlich: Alles, was auf den Plattformen gepostet wird, ist etwas, wofür die Industrie nicht haftbar zu machen ist. Das heißt, die Plattformbetreibenden sind nur für die Infrastruktur verantwortlich, nicht für die Inhalte.
Saskia Rößner: Und das steht in den USA im Gesetz?
Christian Montag: Das ist ein Gesetz, genau. Das ist nach wie vor gültig und wird sehr kontrovers diskutiert. Und bei dem anderen hat man sich gesagt, wäre doch gut, wenn wir in dieser heranwachsenden Digitalökonomie die Privatsphäre von Kindern schützen würden. Klingt erstmal gut, die Privatsphäre von Kindern zu schützen. Super Idee.
Saskia Rößner: Ja, klingt sinnvoll.
Christian Montag: Klingt total sinnvoll. Dann hat man sich gefragt, wann denn die Kindheit aufhört. Vielleicht mit dem Beginn der Pubertät? Das ist ja so mit 13. Ja, nehmen wir 13, hat man sich gesagt. So, und das ist die Zahl des „Children’s Online Privacy Protection Act (COPPA)“, wo diese Zahl 13 ins Spiel kam. Meines Erachtens ist das die Erklärung dafür, dass wir nach wie vor diese Zahl 13 auf den amerikanischen Plattformen auch bei uns häufig antreffen. Damit ist ja eigentlich schon relativ klar, dass das nicht gut gemacht ist – dahinter sind keine entwicklungspsychologischen Studien, die sagen würden, diese Plattform ist gut mit 11, 12, 13, 14 Jahren.
Saskia Rößner: Es ist eher willkürlich einmal festgelegt worden.
Christian Montag: Genau.
Allerlei nicht-kindgerechte Inhalte auf Social Media
Saskia Rößner: Und du als Hirnforscher und Psychologe bist enttäuscht, dass nicht tiefer geguckt wurde?
Christian Montag: Ja, ich bin natürlich schon enttäuscht – es sind mittlerweile über 20 Jahre vergangen – dass wir eigentlich keine bessere Evidenz haben. Ich glaube, so langsam wird der Druck dort auch größer, dass wir diese Evidenz schaffen sollten. Aber auf der anderen Seite ist der Handlungsdruck jetzt auch da. Wir sprechen hier in unserem Podcast über Social-Media-Abhängigkeit, über die Schattenseiten, und wir mussten auch feststellen, dass es komplex ist, aber es gibt ein paar Sachen, die sind nicht so wirklich komplex. Denn wir wissen, auf den sozialen Medien werden Minderjährige mit nicht altersadäquaten Inhalten konfrontiert und nicht im geringen Umfang.
Saskia Rößner: Ja, Hasskommentare, Gewaltdarstellungen, Nacktheit, Alkohol, Drogenkonsum.
Christian Montag: Also Riesenthemen. Dann geht es damit weiter, dass wir auch wissen, dass über die Plattformen Cybermobbing ein Thema ist, was auch nicht ganz so leicht in den Griff zu bekommen ist. Das heißt, es gibt jenseits der Fragestellungen, die eher komplex zu beantworten sind, ein paar Sachen, die klar sind. Diese Inhalte werden ausgestrahlt.
Weiterhin ist für mich auch relativ klar – jenseits von der Suchtdebatte – dass eine Industrie, die aggressiv darauf abzielt, Online-Zeiten zu verlängern und die Privatsphäre der Nutzenden mit Füßen tritt, dass man doch an der Stelle sagen muss: Gehört das in Kinderhände? Also für mich nicht. Da muss ich sagen, Kinder (unter 13) sollten auf den aktuellen Plattformen, die eben mit einer Mentalität des Überwachungskapitalismus und der Aufmerksamkeitsökonomie arbeiten, natürlich nicht drauf sein. Damit ist glaube ich schon relativ klar, dass wir diese Zahl 13 erstmal als Block haben, der auch schon etabliert ist.
Ich wünsche mir zumindest an der Stelle, dass diese Altersgrenze für den Moment mit ordentlichen Altersverifikationschecks etc. ernst genommen wird. Ich stelle mir das so vor, dass beim Onboarden mit 13 die Eltern zustimmen müssten und sich alle mit dem Perso ausweisen müssten. Wir kennen das alle, wenn wir ein Bankkonto in Deutschland aufmachen, dann kann ich irgendwie mit meinem Perso online wedeln und dann überprüft jemand meine Identität. Das müsste hier mit Mama, Papa und den Jugendlichen, die auf den Plattformen drauf sind, gemacht werden.
Unsere Gehirne sind oft erst mit Mitte 20 bereit für Social Media
Christian Montag: Kinder gehören meines Erachtens aktuell nicht auf die Plattformen, bei Jugendlichen wird das Thema tatsächlich komplexer.
Saskia Rößner: Wieso?
Christian Montag: Wir haben auch für Jugendliche aktuell keine bessere Studienlage, die sagen würde 13, 14, 15, 16, 17, was auch immer, ist dort besser. Die Wahrheit ist auch, dass die Entwicklungsverläufe der Jugendlichen differenziell verlaufen. Manche sind früher für sowas reif, andere später.
Saskia Rößner: Wir haben in einer der letzten Folgen schon darüber geredet, dass die Gehirnentwicklung erst so mit Anfang/Mitte 20 abgeschlossen ist. Das heißt, da reden wir dann auch schon gar nicht mehr von Jugendlichen.
Christian Montag: Genau, da reden wir gar nicht mehr von Jugendlichen. Da muss man sagen, der 20-Jährige darf ja wohl sicherlich auf die Plattform oder nicht? Ist ja volljährig. Das heißt, wir haben hier eine wissenschaftliche Lage, die dürftig ist, also besser sein müsste. Aber auf der anderen Seite haben wir natürlich Probleme, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Und was jetzt tun?
Australien hat da vorgeschlagen, soziale Medien ab 16 zu machen. Was spricht denn dafür und was spricht dagegen? Dafür sprechen würde, wenn man das wirklich umsetzen könnte, dass Jugendliche nicht mit diesen ganzen Inhalten konfrontiert werden, die wir eben besprochen haben und dadurch natürlich geschützt werden. Dagegen sprechen die ersten Erfahrungen aus Australien.
Saskia Rößner: Wie sind die?
Christian Montag: Die Erfahrungen sind, dass Jugendliche das relativ leicht umgehen können. Zum anderen muss man auch sagen, dass einige Plattformen durchaus zugänglich sind, selbst wenn ich kein Konto dort habe. Das heißt, ich kann dann auch Inhalte von außen konsumieren.
Saskia Rößner: TikTok kann ich zum Beispiel ohne ein eigenes Konto zu haben, nutzen.
Soziale Medien sind nicht alle gleich
Christian Montag: Ein weiteres Problem, was mir nicht gefällt ist, man spricht sehr, sehr breit über die sozialen Medien. Wenn wir über Kinofilme nachdenken, über Computerspiele, da haben wir hier eigentlich ein etabliertes System, wie man Medieninhalte in puncto Altersgrenzen überprüft. Warum machen wir bei sozialen Medien eigentlich keine Einzelfallanalyse? Also TikTok ist offenkundig eine andere Plattform als LinkedIn oder als ResearchGate, und ich will jetzt nicht sagen, dass die eine besser ist als die andere. Ich sage nur, die operieren zwar alle mit einem ähnlichen Geschäftsmodell, aber würden sich die Eltern noch aufregen, wenn sich Kinder auf ResearchGate wissenschaftliche Artikel durchlesen und diskutieren?
Saskia Rößner: Nein. Aber da müssen wir vielleicht nochmal dazu sagen, dass ResearchGate eine Plattform ist, bei der Leute ein Konto anlegen können und dann dort ihre Publikationen hochladen und sich darüber auch austauschen können.
Christian Montag: Sich austauschen, wieder von einer Person zu vielen sprechen. Da gibt es Blogs etc. Ich glaube, das zeigt schon, dass man die sozialen Medien ein bisschen detaillierter betrachten muss. Wir hatten mit den Leopoldina hier in Deutschland einen Expert:innen-Kreis, wo wir überlegt haben, was denn eine Lösung sein könnte.
Social Media Plattformen von Grund auf umbauen
Christian Montag: Meines Erachtens müssen wir mehrgleisig arbeiten. Der größte Hebel, den wir haben, ist, dass die Plattformen umgebaut werden. Brüssel sagt schon im „Digital Services Act“ – das ist eine Regulierungsinitiative der EU – dass die sogenannten Vlops, die „Very Large Online Platforms“ – das sind die Plattformen, die, glaube ich, mehr als 45 Millionen Nutzer:innen haben, wo sowas wie Facebook, Instagram und TikTok drunter fällt – unter den DSA gestellt werden, das heißt, die werden reguliert.
Dort heißt es zum Beispiel, dass der Schutz Minderjähriger auf den Plattformen großgeschrieben wird. Da steht eigentlich schon drin, dass die Plattformen dafür Sorge zu tragen haben, dass junge Menschen dort eben nicht mit diesen ganzen Inhalten in Kontakt kommen. Die EU spricht hier schon von suchterzeugendem Design, obwohl wir gar keine offizielle Diagnose haben. Aber sie sagen, suchterzeugendes Design sei nicht erlaubt.
Das heißt, das Ziel müsste eigentlich sein, die Plattform dahingehend umzubauen, dass sie nicht mehr Online-Zeiten verlängernd sind, dass sie gesünder sind. Ich glaube, wenn es dazu kommen würde, würden wir auch wieder anders auf diese Altersgrenzen schauen. Wir reden natürlich über das, was wir aktuell sehen.
Saskia Rößner: Also Plattformen regulieren, hin zu einer gesünderen Nutzung – nicht nur für Kinder und Jugendliche, sondern für uns alle.
Wie ließen sich gesündere Plattformen finanzieren?
Christian Montag: Ja, das würde allerdings auch bedeuten und ist an der Stelle noch mal wichtig, dass die Menschen für diese Plattform mit eigenem Geld bezahlen müssten. Sei es durch ein Abo- Modell oder so was wie öffentlich-rechtliche soziale Medien, wo wir irgendwann mit einer Art GEZ-Gebühr unterwegs sind oder so, weil es soziale Medien natürlich nicht umsonst geben kann, wenn man ehrlich ist. Man braucht eine Content-Moderation – also das Inhalte überprüft werden – die bezahlt werden muss. Die Coder*innen, die Ingenieure*innen, die Serverfarmen, die Energiekosten. Das kann es nicht umsonst geben und es sollte uns eher zu denken geben, dass wir anscheinend das Produkt sind, wie man so schön sagt.
Saskia Rößner: Weil wir nicht mit Geld, sondern mit unseren Daten bezahlen oder im Zweifelsfall auch mit unserer Gesundheit.
Christian Montag: Ich glaube, das ist wichtig. Ich glaube, das ist der höchste Hebel, den wir haben.
Social Media bietet Jugendlichen auch Digitale Teilhabe
Christian Montag: Wenn wir nochmal zurückgehen, was machen wir denn jetzt mit den Jugendlichen auf den aktuellen Plattformen? Auf der einen Seite gibt es das Recht auf digitale Teilhabe, dass man sagt, irgendwann kommt der Zeitpunkt, dass auch junge Menschen Recht darauf haben, dort Inhalte zu konsumieren – Popkultur. Das haben wir auch gemacht, als ich jung war zwar über andere Wege, aber das kann man jetzt nicht einfach alles wegnehmen.
Meines Erachtens kann man auch nicht sagen, dass auf den Plattformen nur Entertainment stattfindet, sondern auch politischer Diskurs. Ich glaube, junge Menschen müssen daran herangeführt werden, und deswegen haben wir in der Leopoldina gesagt: 13 bis 15 Jahre eine begleitete Form der Nutzung. Das kann man sich sehr unterschiedlich vorstellen.
Ich würde persönlich dafür plädieren, dass sich die Eltern oder Erziehungsberechtigten das Konto, was die Jugendlichen eröffnen wollen, erstmal selbst anschauen. Häufig ist es heutzutage allerdings so, dass Mama und Papa z.B. Facebook kennen, aber noch nie auf TikTok unterwegs waren. Wie soll das funktionieren? Das muss natürlich so sein, dass man sich das gemeinsam anschaut, um ein Verständnis dafür zu entwickeln.
Wir brauchen einen digitalen Kummerkasten
Christian Montag: Begleitete Form der Nutzung heißt für mich auch, dass es Möglichkeiten für junge Menschen gibt, sich über das auf den sozialen Medien Erlebte auszutauschen. Silke Müller hat das Buch „Wir verlieren unsere Kinder“ geschrieben. Da geht es um Social Media auch an Schulen und die Erfahrungen, die sie als Lehrerin gemacht hat. Sie hatte mal den Vorschlag gemacht, dass es an Schulen so eine Art Sprechstunde gibt.
Als ich zur Schule gegangen bin, gab es eine Art Kummerkasten. Wenn wir was hatten, konnten wir da was reinschreiben und dann wurde das irgendwann thematisiert. Ich glaube, wir brauchen einen Ort – auch einen geschützten Ort – wo sich junge Menschen darüber austauschen können – idealerweise auch mit jemandem, der sich dort auskennt, der junge Menschen begleiten kann. Vieles, was man dort erlebt, ist vielleicht auch schambehaftet. Das heißt, da sind die Eltern nicht immer die richtige Adresse, die junge Menschen haben wollen, aber dass es dann eine andere Möglichkeit gibt. Das stelle ich mir unter einer begleiteten Form der Nutzung vor.
Wie gesagt, ich glaube sehr, sehr wichtig ist, dass wir darüberhinausgehend an Medienbildung weiterarbeiten müssen. Junge Menschen müssen auf diesen Plattformen auch lernen, Desinformationen zu identifizieren. Was ist eine seriöse Quelle? All das gehört in den Bildungsapparat rein.
Saskia Rößner: Mehr Medienkompetenz!
Christian Montag: Mehr Medienkompetenz! Es gibt ein ganzes Bündel an Dingen, die wir tun müssen, die jenseits von einem einfachen Verbot sind. Ich glaube, aktuell mit den Produkten, die wir haben, sehe ich die Notwendigkeit für ein Verbot für Kinder. Was Jugendliche betrifft, müssen wir eine nuanciertere Debatte führen.
„Juuuport“ – Jugendliche beraten Jugendliche
Saskia Rößner: Falls da draußen Jugendliche zuhören oder zuschauen, habe ich noch einen ganz heißen Tipp für euch: Es gibt das Projekt „Juuuport“. Das ist ein Beratungsprojekt von Jugendlichen für Jugendliche. Alles, was ihr da draußen durchmacht, haben die Leute von „Juuuport“ wahrscheinlich auch schon mal durchgemacht und können euch dazu ganz toll beraten. Also wenn ihr irgendwelche Probleme im Online-Umfeld habt, meldet euch doch gerne mal dort. Link zu Juuuport: https://www.juuuport.de/ueber-uns
Tipp zur Selbsthilfe: Graumodus am Smartphone einschalten
Saskia Rößner: Jetzt sind wir hier ja mit einem Profi am Tisch, auch wenn du ein paar Jahre älter bist und nicht mehr jugendlich, hast du bestimmt einen super Tipp zur Selbsthilfe für uns mitgebracht.
Christian Montag: Ja, ich glaube mindestens meine grauen Haare verraten mich. Aber ich versuche natürlich auch, aus meiner Expertise heraus noch mal darüber nachzudenken, was wir tun können, um zu einer gesünderen Haltung oder gesünderen Nutzung zu kommen.
Wie gesagt, ich glaube, die Industrie wäre vor allen Dingen am Zuge. Das mal zuerst gesagt, aber trotzdem: Was kann jede:r tun? Ich gehe noch mal auf die quietschbunten Plattformen ein. Diese Plattformen sind kunterbunt und sehr ansprechend gestaltet. Eine Möglichkeit, die Nutzung zu reduzieren, die sich tatsächlich in Studien als sinnvoll erachtet hat, ist, das Smartphone im Graumodus zu nutzen.
In einem Experiment wurden die Studienteilnehmer:innen gebeten, entweder ihr Smartphone im Graumodus zu nutzen oder weiterhin im Farbmodus. Und wir sehen, dass gerade die Nutzung der sozialen Medien deutlich abnimmt, wenn sie im Graumodus stattfindet. Das zeigt, dass die Farbwelten dort ganz, ganz zentral sind, um Online-Zeiten zu verlängern.
Saskia Rößner: Auf alles, was quietschbunt ist, rennen Kinder mit großen, leuchtenden Augen drauf zu. Aber auch wir Erwachsene sind natürlich bei der Signalfarbe Rot zum Beispiel immer sofort am Start. Da wird aus der quietschbunten Medienwelt, die gerade auch Kinder so anzieht, mit diesem Graustufenmodus im Endeffekt wie eine Art Zeitung oder ein altes Schwarz-Weiß-Fernsehen.
Christian Montag: Um die Plattform ein bisschen weniger attraktiv zu machen, wenn man ganz ehrlich ist. Fairerweise machen die dann natürlich ein bisschen weniger Spaß, aber das ist der Sinn der Sache.
Saskia Rößner: Ja, man kann nicht alles haben.
Christian Montag: Nee.
Saskia Rößner: Okay, super, vielen Dank für diesen Tipp! Das ist auch ein total einfacher Trick. Das sind ein paar Klicks am Smartphone. Das kann jeder mal ausprobieren.
Mehr Infos zu Social-Media-Sucht
Saskia Rößner: Und falls ihr da draußen noch mehr Tipps zur Selbsthilfe braucht, schaut doch mal auf unserer Website www.webcare.plus vorbei. Dort findet ihr nicht nur Selbsthilfetipps, sondern auch professionelle Hilfe Angebote, falls ihr allein nicht weiterkommt. Wenn ihr Fragen an unseren Gast Christian haben solltet, dann kommt doch in unser Webinar am 5. November 2026. Anmelden könnt ihr euch dafür auch über die Webseite.
Wenn ihr jemanden kennt, der auch gerade sehr intensiv darüber nachdenkt: Altersbeschränkung ja/nein, vielleicht auch Eltern, die Kinder in besagtem Alter haben, dann schickt ihnen doch gerne diese Folge. Lasst eine gute Bewertung da und abonniert den Podcast, damit ihr die nächste Folge nicht verpasst. Denn nächste Woche wollen wir uns damit beschäftigen, wie denn überhaupt so eine Plattform aussieht, die wirklich besser für uns ist. Geht Social Media auch gesund und wenn ja, wie sieht das aus? Und das wirst du, Christian, uns nächste Woche erklären.
Christian Montag: Super, bis dahin.
Saskia Rößner: Bis nächste Woche.
Online-Veranstaltung mit Prof. Dr. Christian Montag
Link zur Online-Veranstaltung am 5. November 2026
Social-Media-Sucht verstehen: Wer ist besonders gefährdet? (S03E07)