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Social-Media-Sucht verstehen: Psychotricks der Plattformen – Teil 1 (S03E02)

16 September 2026

Lesezeit 9 Minuten

Information: Das hier ist das Transkript zu einer Podcastfolge. Wenn du die Podcastfolge stattdessen lieber anhören oder ansehen möchtest, findest du die Links dazu am Ende des Textes.

Saskia Rößner: Herzlich willkommen zu „Social-Media-Sucht verstehen“, der dritten Staffel von „Mediensucht verstehen“, einem Podcast der Hessischen Landestelle für Suchtfragen, gefördert durch die Techniker Krankenkasse in Hessen. Mein Name ist Saskia Rößner und mit mir im Studio ist Christian Montag. Hallo Christian.

Christian Montag: Hi Saskia.

Saskia Rößner: Wir haben uns in der letzten Folge von Christian erklären lassen, warum die Social Media Plattformen überhaupt an unsere Daten wollen. Heute fangen wir damit an, uns die Psychotricks, die sie dabei anwenden, genauer anzugucken. Und weil es so viele davon gibt, gibt es dazu zwei Folgen. Wir mussten das aufteilen, weil es einfach so viele sind. Christian, mit welchen Faktoren, mit welchen Psychotricks fangen wir denn heute an?

A/B-Testing: Welcher Psychotrick funktioniert am besten?

Christian Montag: Ja, wir werden uns mal gemeinsam die Psycho-Tricks anschauen, die genutzt werden, um uns auf die Plattform zu holen, wenn wir gerade nicht drauf sind. Und dann werden wir uns in der nächsten Folge damit beschäftigen, wie es der Industrie eigentlich gelingt, uns dort zu halten. Das ist noch mal eine andere Aufgabe. Bevor wir uns aber die einzelnen Mechanismen anschauen, würde ich gerne erst mal auf einen Begriff zu sprechen kommen, der hier eine zentrale Rolle spielt, nämlich das sogenannte A/B-Testen.

Saskia Rößner: Was ist das?

Christian Montag: A/B-Testen ist eine Technik, die von der Industrie der Sozialen Medien genutzt wird, um herauszuarbeiten, was aus deren Sicht ein gutes Designelement ist – um das mal vereinfacht darzustellen.

Saskia Rößner: „Gut“ heißt in dem Falle dann gut wirksam, um uns auf die Plattform zu locken?

Christian Montag: Um uns gut auf die Plattform zu bringen, genau. Oder auch, wenn wir uns mit den anderen Designelementen beschäftigen, um uns auf der Plattform zu halten. Diese Plattformen, die wir sehen, sind nicht vom Himmel gefallen. Die haben sich über viele, viele Jahre entwickelt. Und einer der Design-Mechanismen, der natürlich immer berücksichtigt wird, ist der Convenience-Faktor. Das heißt, die Plattformen sollen möglichst einfach zu benutzen sein.

Nutzerfreundlichkeit oder Nutzerfeindlichkeit?

Saskia Rößner: Nutzerfreundlichkeit – das kennt man ja auch von allem Möglichen.

Christian Montag: Nutzerfreundlichkeit, aber natürlich immer irgendwie auch mit dem Ziel, dass das Geschäftsmodell dahinter klappt. Wir kennen das auch jenseits der sozialen Medien. Ein klassisches Designelement, was man zum Beispiel auf den Kauf-Plattformen hat, ist der „One-Click-Buy“. Das ist alles möglichst vereinfacht gemacht. Ich kann mit nur einem Klick ein Produkt kaufen. Alles dazwischen ist abgeschafft worden. Das ist natürlich maximal convenient, aber man kann sich auch vorstellen – kennen vielleicht auch viele – dass man dann mehr kauft als man will. Und am Ende des Monats denkt man sich „Oh Gott, was habe ich denn hier eigentlich für eine Kreditkartenabrechnung, die da kommt?“

Saskia Rößner: Das heißt, je einfacher oder gemütlicher etwas ist, je besser es mir gefällt, desto wohler ich mich fühle, desto mehr nutze ich es auch?

Christian Montag: Ja, das ist sicherlich erst mal richtig. Die Industrie versucht, alle Barrieren abzubauen und um jetzt auf die sozialen Medien zurückzukommen, das Prinzip greift natürlich auch hier. Man möchte alles möglichst einfach halten, um die Nutzenden schnell auf die Plattform zu bringen. Machen wir das mal ganz konkret. Es gibt eine Push-Notification, die kennt jeder.

Push-Notifications können FoMO auslösen

Saskia Rößner: Diese kleinen roten Punkte an den App Symbolen, die sagen „Hey, hier ist ganz viel los und du verpasst das alles“.

Christian Montag: Und da wird dann häufig noch eine Nachricht durchgesteckt, die sagt „Guck mal, da passiert jetzt online was“. Wir wissen mittlerweile relativ gut, dass so eine Push-Notification, die Fear of Missing Out (FoMO) auslösen kann.

Saskia Rößner: Also die Angst, etwas zu verpassen.

Christian Montag: Genau. Und das zielt vor allen Dingen auf das eigene soziale Netzwerk ab. Wir sind soziale Kreaturen. Evolutionär gesehen haben wir ein großes Bedürfnis danach, zu verstehen, wo wir in einer Gruppe stehen. Also ob uns die Gruppe schätzt, ob wir irgendwie eher außen vor sind. Und damit spielt die Industrie, indem sie uns informiert „Guck mal, da passiert jetzt online was“.

Zeitliche Verknappung: FoMO hoch 10

Christian Montag: Und das wird dann häufig – weil so ein Designelement nicht nur isoliert funktioniert – mit anderen Designelementen kombiniert. In dem Fall mit der Push-Notification. Das kennen viele vielleicht von Snapchat, dass man hier auch noch mit zeitlicher Verknappung arbeitet. Es wird irgendetwas gepostet und dahinter steckt dann ein zeitliches Verfallsdatum. Ich weiß, dass die Botschaft, die dort online zu finden ist, nicht für immer da ist. Dann werde ich über eine Push-Notification über das Gepostete informiert. Jetzt weiß ich ganz genau–

Saskia Rößner: Die Uhr tickt.

Christian Montag: Die Uhr tickt und vielleicht sprechen die über mich und vielleicht ist das total relevant für mich. Und dann ist der Druck natürlich doppelt so groß. Ich fühle mich durch die FoMO schlecht. Das sind negative Emotionen. Wie kriege ich die abgeschaltet? Indem ich kurz auf die Plattform drauf gehe, um dann zu gucken, was dort gepostet ist. Hoffentlich just in time – also gerade noch rechtzeitig – um natürlich mitsprechen zu können.

Von Story bis Status: Die Uhr tickt

Saskia Rößner: Ja, ich kenne das nicht nur von Snapchat, sondern auch von Instagram – die Stories beispielsweise. Und mittlerweile gibt es das auch bei WhatsApp, diesen WhatsApp-Status, der auch nur eine gewisse Zeit verfügbar ist.

Christian Montag: Das ist tatsächlich auch eine gewisse Logik, die man bei den sozialen Medien beobachten kann. Wenn ein Designelement entwickelt worden ist – und soviel ich weiß, ist diese zeitliche Verknappung damals zum ersten Mal bei Snapchat entwickelt worden – dass dann die Industrie schnell sagt „Wow, das ist gut. Das wollen wir auch machen“.

Saskia Rößner: „Das kopiere ich.“

Christian Montag: Genau, das heißt „wir kopieren das“. Damals hat tatsächlich Facebook versucht, Snapchat aufzukaufen, was nicht geklappt hat. Dann ist das passiert, was du gesagt hast.

Saskia Rößner: Sie haben es einfach kopiert.

Christian Montag: Man hat dieses Designelement der zeitlichen Verknappung zum Beispiel bei den Stories bei Instagram eingebaut. Die Logik ist, was auf einer Plattform funktioniert, wird woanders auch mal ausprobiert. Das ist etwas, was man tatsächlich sehr, sehr häufig sieht.

Streaks üben sozialen Druck aus

Saskia Rößner: Das ist schon auch ein bisschen dreist. Ich weiß, dass bei Snapchat diese zeitliche Verknappung nicht das einzige Element ist, was fies ist. Ich spreche von den Streaks. Was hat es damit auf sich?

Christian Montag: Das sind diese Flammen, die man neben den Chats sieht. Auch hier versucht man natürlich, die Nutzenden bei der Stange zu halten. Wenn wir beide Streaks haben und Flammen sammeln, dann kriegen wir die dafür, dass wir jeden Tag dort etwas posten – also ein Bild hochladen. Es wird natürlich interessant, wenn wir das über einen längeren Zeitraum machen.

Saskia Rößner: Weil die Zahl dann steigt und steigt und steigt. Dann sind es zehn Tage und dann sind es 50 Tage und dann sind es 100 Tage und irgendwann sind es 999. Ich weiß gar nicht, ob weiter gezählt wird.

Christian Montag: Und dann sage ich irgendwann an Tag 85 kurz bevor die Uhr abläuft: „Saskia, warum hast du das denn noch nicht gemacht?“ Wir wollen diesen Riesenerfolg, den wir gemeinsam erzielt haben, nicht irgendwie kaputt machen. Das heißt, da wird sozialer Druck unter Freund*innen aufgebaut, dass man sagt „Ja, aber das ist doch besonders, was wir zwei hier machen. Wir haben das Tag um Tag aufgebaut. Damit können wir doch jetzt nicht aufhören“.

Streaks: Die neue Währung, in der Freundschaft gemessen wird?

Saskia Rößner: Ist das etwas, womit man angibt?

Christian Montag: Das mag sicherlich bei dem einen oder anderen Gespräch zwischen Nutzenden eine Rolle spielen, dass man sagt „Hey, guck mal, was wir schon geschafft haben. Wir sind jetzt schon ziemlich hart unterwegs“.

Saskia Rößner: Ist das ist das ein Wert, in dem Freundschaft heutzutage auch gemessen wird?

Christian Montag: Das ist eine gute Frage. Wir leben in einem Zeitalter, wo gerade diese Digital-Elemente bei sozialen Beziehungen zunehmend eine Rolle spielen. Über Likes werden wir noch mal gesondert sprechen. Aber das natürlich diese Metriken – also diese Maßeinheiten – in irgendeiner Form vielleicht dann auch in Freundschaften eine Rolle spielen, das möchte ich nicht ganz in Abrede stellen.

Saskia Rößner: Ich glaube, ich messe meine Freundschaften lieber an was anderem. Gibt es noch weitere Tricks, um uns auf Plattformen zu locken?

Christian Montag: Ja, die gibt es. Und um es noch mal zu sagen, ich stimme dir natürlich völlig zu. Wir wollen natürlich Freundschaften an anderen Dingen messen, aber ob das bei allen immer klappt, weiß ich nicht.

Lesebestätigung in Messengern und DMs

Christian Montag: Kommen wir auf ein nächstes Designelement zu sprechen, was auch über den sozialen Druck funktioniert und das vor allen Dingen erst mal bei Messengern eine wichtige Rolle spielt. Das ist nämlich die Lesebestätigung. Da werden viele jetzt sagen, dass Messenger doch kein Social Media ist. Doch, Messenger sind Social-Media-Angebote.

Saskia Rößner: Also so was wie WhatsApp, Telegram, Signal, Threema.

Christian Montag: Ja.

Saskia Rößner: Ich glaube, die Lesebestätigung gibt es auch in den Instagram Nachrichten.

Sind Messenger soziale Medien?

Christian Montag: Die gibt es jetzt zunehmend auch in anderen Produkten, aber wir kennen sie natürlich erst mal von den Messenger-Diensten. Um erst mal einzuordnen, warum die Messenger auch soziale Medien sind:

Es gibt wissenschaftlich vortreffliche Streitigkeiten, Diskussionen darüber, was soziale Medien sind, aber es gab dann eine von Caleb T. Carr und Rebecca A. Hayes, die 2014 ins Feld geführt wurde. Die wird sehr, sehr häufig herangezogen, um zu erläutern, was soziale Medien ausmacht. In dieser Definition spricht man von sozialen Medien, von Plattformen, die es den Menschen ermöglichen, miteinander in Austausch zu treten – von einer Person zu einer Person zu sprechen, aber auch von einer Person zu vielen. Das passiert synchron, also in Echtzeit, oder auch asynchron, das heißt zeitlich versetzt. Und sie ermöglichen es, eigene Inhalte zu erstellen.

Wenn wir uns heutzutage die meisten Messenger anschauen, sieht man, dass ich auch von einer Person zu vielen sprechen kann. Synchron, asynchron.

Saskia Rößner: Gruppenchats.

Christian Montag: Gruppenchats werden mittlerweile auch abonniert. Ich glaube es ist einleuchtend, dass man gerade bei den Messengern, so wie sie heute designt sind, durchaus von sozialen Medien sprechen kann.

Saskia Rößner: Stimmt. Bei WhatsApp gibt es auch noch die Broadcast Channels, also Kanäle, mit denen man Sachen – wie du sagst – abonnieren kann.

Christian Montag: Exakt.

Saskia Rößner: Man kann dort Nachrichten wie Newsletter lesen, aber nicht darauf antworten. Man kann darauf nur mit Emojis reagieren.

Lesebstätigung: Doppelter Haken, doppelter Stress

Christian Montag: Ja, stimmt. Aber wir haben über Messenger gesprochen, weil wir über ein Designelement nochmal genauer sprechen wollten.

Saskia Rößner: Genau, die Lesebestätigung.

Christian Montag: So und die Lesebestätigung kennt sicherlich fast jede*r, nämlich, ich schreibe dir jetzt was und dann sehe ich „Aha, zwei blaue Haken“. Ich weiß, du hast es gelesen. Das sind Dinge, die man natürlich sehr, sehr schnell lernt, wenn man zum ersten Mal auf so einer Plattform unterwegs ist, dass ich irgendwie bestätigt bekomme, dass die andere Seite etwas gelesen/gesehen hat.

Da sind wir wieder im Freundschaftsprinzip unterwegs und sagen „Was ist denn jetzt da? Ich habe dir eine Nachricht geschrieben und ich warte eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten, vier Minuten. Wieso habe ich eigentlich noch keine Antwort?“ Da passiert was. Da wird auf beiden Seiten die Erwartungshaltung aufgebaut, auf Dinge sehr, sehr schnell zu reagieren.

Jetzt können wir uns vorstellen – weil wir gerade bei den Designelementen sind, die uns auf die Plattform drauf bringen – dass ich etwas von dir gelesen habe, wenn du mir eine Nachricht geschickt hättest, und ich weiß, ich habe es geöffnet und du bist informiert worden. Na komm, ich gehe mal kurz auf WhatsApp drauf, weil man es manchmal auch nur als Vorschau sieht.

Dann habe ich es doch geöffnet. Also bin ich schon wieder dabei, was zu machen, was ich vielleicht gerade an der Stelle nicht machen wollte. Nicht, weil ich dich nicht mag, sondern einfach weil vielleicht gerade etwas anderes wirklich wichtiger gewesen wäre.

Saskia Rößner: Keine Zeit.

Christian Montag: Aber das weißt du ja nicht. Das heißt, wir müssen mit diesen Lebenswelten irgendwie umgehen. Das ist ein Prinzip, was wir aus der Verhaltensökonomie kennen, nämlich aus einem Forschungszweig aus der Ökonomie, der sich damit beschäftigt, wie Systeme Verhalten beeinflussen. Da gibt es den Begriff des Nudging. Wenn man das übersetzt–

Nudging: Sanfter Schubs oder Nötigung by design?

Saskia Rößner: Schubsen?

Christian Montag: Genau, schubsen. Man kann sich jetzt vorstellen, dass uns die sozialen Medien mit so einer Lesebestätigung quasi schubsen, uns also dazu bewegen wollen, schneller auf die Nachricht zu antworten.

Saskia Rößner: Wie so ein kleines Teufelchen, was auf der Schulter sitzt und die ganze Zeit in meine Backe piekst und sagt: „Ey, der Christian, der wartet auf eine Antwort. Jetzt schon seit fünf Minuten, jetzt schon seit zehn Minuten. Antworte doch mal!“

Christian Montag: Exakt. Jetzt muss man aber sagen, dass Nudging per se nicht verwerflich ist. Da gibt es ein spannendes Experiment, was in einer Mensa gemacht worden ist. Jeder kennt die Quengel-Zone an der Kasse mit den Süßigkeiten. Wenn ich jetzt an der Kasse stehe, dann sagt mir die Süßigkeit in der Kasse: „Kauf doch die Süßigkeit!“ Das heißt, das System lenkt mich eher, etwas Ungesundes zu konsumieren. Dann haben die Forschenden Folgendes gemacht: Sie haben einfach mal Äpfel dort geparkt und dann haben die Leute eher Äpfel konsumiert.

Saskia Rößner: Ernsthaft?

Christian Montag: Ja, das heißt, wir sehen an der Stelle, dass ein System natürlich auch positiv gelenkt werden kann. Wir wissen aber, dass die sozialen Medien mit Hilfe der Designelemente, die wir jetzt besprochen haben, natürlich erst mal auf eins abzielen: „Du bist nicht auf der Plattform drauf? Komm bitte bei uns vorbei!“

Saskia Rößner: Ja, schon ganz schön fies.

Tipp zur Selbsthilfe Nr. 1: Push-Benachrichtigungen ausschalten

Saskia Rößner: Wir wollen hier aber nicht nur die schlechten Faktoren nennen, sondern dem auch ein bisschen was entgegensetzen. Deswegen gibt es zum Schluss jeder Folge für euch da draußen auch immer noch Tipps zur Selbsthilfe. Sowohl von unserem Profi als auch vom Verein „Aktiv gegen Mediensucht“. „Aktiv gegen Mediensucht“ hat uns empfohlen, die Push-Notifications einfach zu deaktivieren. Das klingt so wahnsinnig simpel. Christian, warum machen wir das nicht alle?

Christian Montag: Ja, auch das ist eine spannende Frage. Es ist echt schwer, da Daten zu bekommen. Aber Menschen neigen dazu, die Standardeinstellungen erstmal nicht zu verändern. Das kennen wir auch aus anderen Produkten. Schauen wir uns Programme wie Microsoft Word an, wo es darum geht, Text Dokumente zu erstellen, haben wir unglaublich viele Möglichkeiten, wie man Dinge einstellen kann. Es wird tatsächlich sehr, sehr selten gemacht, und die Industrie weiß das. Die baut die Standardeinstellung in der Regel so, dass sie gut für sie sind, weil sie darauf baut, dass wir uns nicht in die Einstellungen rein kämpfen, um uns über fünf Minuten den Weg rauszusuchen, wo wir die Push-Notification deaktivieren können.

Saskia Rößner: Das ist auch immer echt gut versteckt, muss ich sagen.

Christian Montag: Das „gut verstecken“ hat offenkundig einen Grund.

Saskia Rößner: Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Einstellung immer mal wieder umgezogen wird. Es ist dann plötzlich an einer ganz anderen Stelle in den Einstellungen. Und manchmal gibt es ein Update, ein automatisches Update, was aus Sicherheitsgründen durchaus auch sinnvoll ist. Dann werden alle Einstellungen wieder auf den Standard zurückgesetzt. Dann musst du dich wieder da durchkämpfen.

Christian Montag: Ja, das ist dann lästig, Das ist dann gerade nicht convenient. Die Industrie ist immer convenient, wenn es gut für sie ist, aber nicht, wenn wir Veränderungen vornehmen wollen.

Tipp zur Selbsthilfe Nr. 2: Lesebestätigung deaktivieren

Christian Montag: Da sind wir tatsächlich auch bei einem zweiten Designelement, was ich dir und natürlich auch den Zuschauenden gerne noch mitgeben würde, passend zu dem, was wir eben gesagt haben. Wir können nämlich bei vielen Messengern nicht nur die Push-Notification ausmachen, sondern auch die Lesebestätigung deaktivieren. Da muss man sich auch erst mal wieder durchkämpfen und gucken, wo das geht. Es gibt auch einen Grund, warum das für viele erst mal gar nicht so schön ist, das zu tun.

Saskia Rößner: Für mich ist es natürlich gut, weil ich mich dann erstmal zurücklehnen kann und sagen kann „Christian weiß doch gar nicht, dass ich das schon gelesen habe“. Ich kann erstmal noch zwei Stunden fertig arbeiten und dann in Ruhe antworten.

Christian Montag: Ja, nur das Doofe ist natürlich, wenn ich das für mich ändere, dann weiß ich auch nicht mehr, ob du meine Nachricht schon gelesen hast. Das ist der Service, der dann flöten geht. Das heißt, dass ich mich so ein bisschen darauf einstellen muss, dass ich für mich vielleicht – nachdem ich das geändert habe – zwei, drei Tage denke „Hm, ich schicke was, jetzt weiß ich irgendwie auch nicht mehr, was damit passiert“.

Aber man gewöhnt sich sehr, sehr schnell dran. Aber wie immer dauert es einen Augenblick, eine Änderung herbeizuführen, bis man sagt „Ach, eigentlich ist es mir egal“, und „Eigentlich bin ich ganz froh darüber, dass ich jetzt nicht mehr diesen Druck habe, wenn ich was lese, dass die andere Person informiert worden ist und ich dann schon wieder sofort antworten muss“.

Saskia Rößner: Also ihr da draußen, einfach mal ausprobieren, nicht direkt abschrecken lassen, sondern durchziehen. Es wird mit der Zeit einfacher und angenehmer, würde ich jetzt mal behaupten, weil wir sonst diese tollen Tipps hier nicht hätten.

Mehr Infos zu Social-Media-Sucht

Saskia Rößner: Wenn euch die Tipps gefallen haben – wenn euch die Infos, die Christian uns heute gegeben hat, gefallen haben – dann bewertet unseren Podcast doch gerne und teilt diese Folge mit jemandem, der vielleicht euch immer Druck macht, wenn ihr die Nachricht gelesen habt, aber noch nicht geantwortet habt. Redet darüber, ob ihr das nicht vielleicht einfach beide deaktivieren wollt. Abonniert den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst.

Nächste Woche geht es weiter mit der zweiten Hälfte dieser fiesen Psychotricks.

Wenn ihr Fragen an Christian habt, kann ich euch noch unser gemeinsames Webinar am 5. November 2026 um 15 Uhr anbieten. Da könnt ihr reinkommen. Das ist kostenlos. Ihr könnt eure Fragen stellen und seid danach sicherlich schlauer als vorher. Das verspreche ich jetzt einfach mal.

Und wenn ihr bis dahin weitere Tipps zur Selbsthilfe braucht, schaut doch auf unserer Website www.webcare.plus vorbei. Da findet ihr außer Selbsthilfe Tipps noch ein paar professionelle Hilfe-Angebote, falls ihr alleine nicht weiterkommt.

Ich würde sagen, das war’s für heute und wir machen nächste Woche an dieser Stelle weiter.

Christian Montag: Bis dahin. Ich freue mich drauf!


Online-Veranstaltung mit Prof. Dr. Christian Montag

Link zur Online-Veranstaltung am 5. November 2026

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